Informationen zu Aktuell
Hier finden Sie Hinweise zu aktuellen Veranstaltungen, die uns nach Redaktionsschluss erreicht haben sowie Ergänzungen (Nachschlag) zur jeweils aktuellen PHOTONEWS Ausgabe.
Nachschlag
Nach Redaktionsschluss
Aus dem PHOTONEWS-Archiv: Interview Vonovia-Award
Im Frühsommer 2018 wurde der Fotowettbewerb der Vonovia SE zum zweiten Mal ausgeschrieben. Der Preis ist mit insgesamt 42.000 Euro dotiert. Fragen an Klaus Freiberg, Mitglied des Vorstands von Vonovia (COO).
PHOTONEWS: Mit „Zuhause“ hat die Vonovia als großes Wohnungsunternehmen bei der ersten Ausschreibung ein Thema gewählt, das direkt zum Unternehmen passt. Bleibt es bei dieser Ausrichtung?
Klaus Freiberg/VONOVIA: Wir haben intensiv über das Thema diskutiert. Nähe war der Dreh- und Angelpunkt unserer Überlegungen. Wir wollten nah an die Menschen, nah an ihre Lebenswirklichkeit, aber auch nah an das, worum es bei Vonovia geht.
Die Einreichungen für den ersten Vonovia Award für Fotografie haben uns schlichtweg umgehauen. Viele der Foto-Serien hätten ebenso eine Auszeichnung verdient wie die, die wir dann schließlich prämiert haben. Der Tag der Fotografierten, ihr Alltag, ihr Leben ist atemberaubend schön, atemstockend traurig. Das zeigt sich in den Momenten, die die Kamera eingefangen hat – ungeschminkt, echt, ohne Schnörkel oder überflüssige Details. Der Betrachter kann in die Bilder eintauchen, völlig darin aufgehen. Das Foto als Medium verschwindet völlig, ich bin z.B. plötzlich im Kanalsystem von Bukarest, stehe im Wohnzimmer einer russischen Großfamilie und teile ihr Leben, erlebe die Protagonisten und ihre Beziehungen untereinander hautnah, sehe und fühle die Distanz, die Komik, die Liebe, die Verzweiflung.
Als wir uns dann in diesem Jahr wieder zusammengesetzt haben, waren wir uns schnell einig: Die Geschichten sind noch nicht zu Ende erzählt, wir wollen noch mehr wissen, tiefer eintauchen. Deswegen werden wir auch in diesem Jahr wieder mit dem Thema Zuhause an den Start gehen. Im letzten Jahr waren sehr viele Serien aus dem Ausland dabei. Wir haben uns schon gefragt, ob das Zuhause in Deutschland irgendwie heikler oder schwieriger ist, weil es näher an uns selbst ist. Vielleicht müssen wir uns in Deutschland auch stärker mit uns selbst auseinandersetzen und vielleicht sollten wir weniger Angst vor dieser Auseinandersetzung haben.
Inwieweit kann es gelingen, den Wettbewerb auch bei Ihren Kunden zu vermitteln? Finden beispielsweise Ausstellungen im Umfeld von Mietshäusern statt?
Ab Mitte Mai ist die Ausstellung mit den Arbeiten der Preisträger und der Shortlist-Nominierten des ersten Vonovia Awards für Fotografie im Technischen Rathaus in Bochum zu sehen. Oberbürgermeister Thomas Eiskirch wird sie eröffnen. Er ist ein wichtiger Kommunikator in der Stadt, das hilft natürlich, mehr Menschen anzusprechen. Wir würden uns sehr freuen, wenn auch unsere Mieter sich die Bilder hier anschauen würden. Wir denken ständig über neue Ausstellungsorte nach, deutschlandweit – wo Vonovia vertreten ist. Aber wir wollen die Fotos nicht einfach nur irgendwo hinstellen, sie brauchen einen Rahmen. Und wir wollen Anlässe für Begegnungen und einen Dialog schaffen. Wir wollen den Betrachter überraschen. Um unsere Mitarbeiter zu inspirieren, haben wir die Fotos zuerst bei uns in der Unternehmenszentrale ausgestellt. Ich glaube, die Überraschung dort ist uns gelungen. Die Immobilienbranche ist ja oft eher konservativ, da ist unser Ansatz sehr ungewöhnlich, wild – das ist eigentlich das Wort, das mir hier einfällt.
In Fotografenkreisen gab es auch kritische Stimmen zu hören. Die Geschäftspolitik von Vonovia sei umstritten und der Wettbewerb ein Mittel, das Image aufzupolieren. Was sagen Sie zu den Vorwürfen?
Kritik an dem, was ein Unternehmen tut, ist nicht ungewöhnlich. Das überrascht mich nicht, das habe ich fast erwartet. Ich sage aber auch: Ich erwarte konkrete Kritik, keine pauschalen Vorwürfe. Kritik ermöglicht uns Reflektion: über das, was wir tun, über die Art und Weise, wie wir es tun, nachzudenken. Nur so haben wir die Chance, besser zu werden. Aber so ernst wir Kritik nehmen – sie sollte uns niemals lähmen – im Gegenteil, sie sollte uns aufrütteln. Das geschieht auch durch den Fotowettbewerb. Er bietet uns darüber hinaus eine Möglichkeit einen Dialog zu eröffnen – mit der Öffentlichkeit, mit Künstlern, gerne auch mit unseren Mietern. Ich sehe darin überhaupt keinen Widerspruch.
Unser kulturelles Engagement ist authentisch und mutig, alles andere wäre Schönwetter-PR. Der Foto Award steht auch für den internen Kulturwandel, den unser Unternehmen gerade vollzieht: Weg vom Verwalter hin zum Dienstleister, hin zum Innovator in der Wohnungswirtschaft. Das geht nicht von heute auf morgen, aber es geht. Davon bin ich überzeugt.
Bei der ersten Ausschreibung wurden Preise für bereits fertige Serien verliehen. Könnten Sie sich vorstellen, das Programm mit einem Stipendium, einem Auftrag an Fotografen zu erweitern?
Geben Sie uns ein bisschen Zeit! So, wie der Award jetzt konzipiert ist, haben wir ihn erst einmal durchgeführt. Wir haben aber für die Zukunft folgende Entscheidung getroffen: Wir wollen noch mehr Freiraum für die Fotografen, noch weniger Vonovia. Und wenn wir im nächsten Jahr das Gefühl haben, wir wollen etwas Neues ausprobieren, dann werden wir frei in alle Richtungen denken. In welcher Form das dann realisiert wird, kann ich heute noch nicht sagen. Wichtig ist uns vor allem, dass wir thematisch das hohe Niveau halten, auf dem wir eingestiegen sind.
Alle Informationen: award.vonovia.de
Erschienen in PHOTONEWS Mai 2018.
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