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Fotofilm zum Umweltfotofestival Horizonte Zingst 2021

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Hier finden Sie Hinweise zu aktuellen Veranstaltungen, die uns nach Redaktionsschluss erreicht haben sowie Ergänzungen (Nachschlag) zur jeweils aktuellen PHOTONEWS Ausgabe.

Nachschlag

Der Mann hatte Humor. Martin Langer in Photonews 10-2016

PHOTONEWS-Forum: „Konsum“

Fotofilm zum Umweltfotofestival Horizonte Zingst 2021

PHOTONEWS-Forum: „Fernweh“

Verhinderte Potenziale: Deutungshoheiten in der deutschen Fotoszene

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Nach Redaktionsschluss

Broschüre „Wege in den Beruf Fotografie“

Atelierbesuche der Uni Hildesheim. Photonews-Beiträge online

Aus dem Archiv: Chronorama

Aus dem Archiv: Diskussion in Düsseldorf 2012

Festival Horizonte Zingst 2023

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Fotofilm zum Umweltfotofestival Horizonte Zingst 2021

Wegen der Pandemie musste das Festival mit Workshops, Vorträgen und Fotomarkt Ende Mai 2021 abgesagt werden, doch die Ausstellungen wurden installiert. Bei einem Pressetermin mit beteiligten Fotografinnen und Fotografen, der Kuratorin Edda Fahrenhorst und dem Team vor Ort entstand dieser Fotofilm – mit Einblicken vom Festival und von Zingst.

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Kategorie: Nachschlag

PHOTONEWS-Forum: „Fernweh“

Mai 26, 2021 by

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Nachschlag

Neu: PHOTONEWS-Forum „Selbst“

Aufzeichnung Symposium Deutscher Fotorat

PHOTONEWS-Forum: „Bett“

PHOTONEWS-Forum: „Ich – Selbst“

Broschüre „Wege in den Beruf Fotografie“

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Nach Redaktionsschluss

Broschüre „Wege in den Beruf Fotografie“

Atelierbesuche der Uni Hildesheim. Photonews-Beiträge online

Aus dem Archiv: Chronorama

Aus dem Archiv: Diskussion in Düsseldorf 2012

Festival Horizonte Zingst 2023

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PHOTONEWS-Forum: "Fernweh"

In Zeiten von Corona hat „Fernweh“ wohl bei vielen eine neue Dimension erhalten, das haben die Einsendungen zu unserem 9. ­Forum gezeigt. Es gibt süße, aber auch ­bittere Träume in die Ferne, entlarvende Attrappen, ­Gefühle des (Ab)wartens.
Vielen Dank dafür an alle ­Leserinnen und Leser!

 

Foto: Catharina Demmel

Fernweh hat etwas Vergangenes und etwas Zukünftiges – ihm hängen der Klang der Nostalgie und die Versprechen der Zukunft an. Da ist das Weh, ein Schmerz, der das Herz schwer werden lässt und die Ferne, die Heilung verspricht. Aber wo liegt diese Ferne? Meine Ferne ist ortslos, geformt von Träumen, die ein Bild am Horizont meiner Gedanken zeichnen. Sehnsüchtig schaue ich vom Zugabteil aus dem Fenster in die Weite, wo meine Realität und die Fremde im Dunst miteinander verschwimmen und ich träume von 'anderswo'.

 

Foto: Dominic Wolf

Irgendwo wartet er bereits wieder auf mich - der Platz unter einem Sonnenschirm, auf einem zu kleinen, roten Plastikstuhl. Bereit den Geschmack der Strasse an einer Garküche zu schmecken. Doch bis dahin heißt es „closed to sit down“. Dies ist ein Bild aus der gleichnamigen Fotoserie.

 

Foto: Erika Bialowons

Seit dem Auftauchen des Coronavirus ist meine Bewegungsfreiheit stark eingeschränkt. Dadurch ist eine Sehnsucht nach Ferne, die auch sehr nah sein kann, entstanden.
Als Ausgleich habe ich die Wälder in meiner Umgebung entdeckt, in denen ich seitdem eine Serie fotografiere. Ich bin immer tiefer in die zum Teil unberührte Natur eingedrungen. ,Der Wald’ ist ein Zufluchtsort für mich geworden, in dem ich eins sein kann mit der Natur, was in meiner Kindheit selbstverständlich, doch lange Zeit verloren gegangen war.
Das eingereichte Foto habe ich zusätzlich aufgenommen. Es weicht von meiner eigentlichen Waldserie ab. Gemeinsam ist diesen Bildern, dass ich sie bewusst bei schwachen Lichtverhältnissen aufnehme und die dadurch entstehende Stimmung als Ausdrucksmittel nutze.

 

Foto: Kay Janke

In dieser Zeit der großen Einschränkungen weist uns das öffentliche Leben auf bisher nie erfahrene Weise zurück und auch das private zwingt uns zu Vorsicht und Abstand; wir werden isoliert und isolieren uns täglich selbst. So fühlen wir Unruhe und Unzufriedenheit. Zurückgeworfen auf die eigenen vier Wände verspüren wir die Enge, nehmen die Unzulänglichkeiten unserer sonst so vertrauten Umgebung in hohem Maße wahr.  -  Nun werden Erinnerungen wach, Träume werden zu Wünschen, diese zu Hoffnungen und Plänen. Das Weite liegt dann wieder so nah, es ist nur einen Schritt weit entfernt.

Foto: Thomas Meyer

Die Jugend beweist Weitsicht und auch bei unangenehmem Wetter stoische Ruhe und  sie genießt die Natur. Mit dem Blick in die Ferne  ist es besser, in der Gruppe zu sein als allein. Dabei drängt sich die Frage auf, wo will die Jugend hin in diesen Zeiten?

 

Foto: Julia Baier

Ich habe Fernweh nach dem Südseefeeling auf meinem Lieblingsfluss! (Passau, 2020)

 

Foto: Matus Moravcik

Der Wind weht mit Fernweh. Und wie die Laken auf der Leine, die ihre Finger zum Horizont strecken, weint auch meine Seele, um dem Alltag zu entkommen und die große Weite zu erkunden.

 

Foto: Anna Thiele

Mai 2020, Corona-Welle I. Ich saß zuhause fest, wie viele andere auch. Der erste Lockdown war dabei noch am erträglichsten, denn ich steckte tief in den Vorbereitungen für meine erste Buchveröffentlichung und klebte – meist beflügelt – sowieso am Rechner fest. Trotzdem gab es Momente, in denen mich große Sehnsucht überkam, auszuschwärmen und zu verreisen. Einer dieser Momente war, als das Sonnenlicht durch die Jalousien auf einen der Proofdrucke für das Buch schien und der Szene vom Tempelhofer Feld auf einmal den Zauber von fernen Orten verlieh.

 

Foto: Otto Danwerth

Ferne Welten – so nah. Stand mit Globen auf der Frankfurter Buchmesse.  Analog und mit offener Blende fotografiert.

 

Foto: Lisa Ludwig

Die Sehnsucht ist groß nach einer Reise. Eine Reise ins Unbekannte. Eine Reise, die man beflügelt und ohne Grenzen machen kann. Ein Vogel zeigt mir nichts mehr als das, was ich selbst so sehnlichst unternehmen möchte. Ein Vogel hat die Freiheit, auch über Grenzen hinaus, einfach los zufliegen wie er möchte.

 

Foto: Jens Nagels

On the road again?

 

Foto: Friedhelm Petrovitsch

Fernweh - 2014 auf der Insel Hainan, Chinas Mallorca, abseits einer Hochzeitsfeier fotografiert. Während die fernen Ziele der neuen Seidenstraße für die Supermacht immer näher rücken,
ist der Drache, das höchste Himmelswesen, mit dem die Kaiser ihre Macht auf dem Himmelsthron legitimierten, längst aus seinem Schlummer der Mao-Zeit erwacht. Peterchens Mondfahrt ist passe´. Der Kleine sucht vielleicht einmal im
stellaren Raum nach neuen Lebensräumen für die Menschheit.
Utopie oder Dystopie? Ferne kann auch weh tun.

 

Foto: Andreas Buhr

Die Zeit der Pandemie geprägt durch Verlust, Einschränkung, Besinnung, Hoffnung, Sehnsucht. Vieles fehlt. Doch brauchen wir wirklich alles wieder, was wir heute vermissen?

 

Foto: Rebecca Forster

Das Foto „Fernweh“ zeigt ungeschönt meinen aktuellen Arbeitsplatz im Wohnzimmer, an dem der Unterricht vorbereitet wird, Arbeitsaufträge korrigiert werden und von dem aus ggf. auch online unterrichtet wird. Er biegt sich unter der Woche bisweilen fast unter der Fülle der Dinge, die schnell hervorgekramt werden, ständig bereit liegen oder noch bearbeitet werden müssen. Zugleich gibt es dort tausende Dinge, die mich an vergangene Reisen erinnern, z.B. die Drucke eigener Fotos: Ein streunender Hund, aufgenommen in Santorini, und die Freiheitsstatue in New York – das Reisen fehlt mir aktuell am meisten. Vom Sofa aus, das auf der anderen Seite des Zimmers steht, blicke ich zwar direkt auf meinen Arbeitsplatz, zugleich aber auch auf diese schönen Erinnerungen - und hoffe sehr, dass ich solche Motive bald wieder ohne einen Schreibtisch und Bildschirm davor sehen kann.

 

Foto: Jens Woltert-Schäfer

Reisestopp. Ob hin oder her, Fernweh bleibt.

 

Foto: Walter Neiger

Fernweh ist immer da, träumerische Gedankenreise.
(Analoge Mehrfachbelichtung mit Toycamera Diana Mini).

 

Foto: Werner Mansholt

In Corona-Zeiten ist die Sehnsucht nach Veränderung und Reisen sicherlich bei vielen gewachsen. Es hat mir in diesem Jahr manchmal fast weh getan, nicht richtig und wie gewohnt unterwegs sein zu können. Mein Bild zeigt ein älteres Paar in sommerlich kurzen Hosen, das „Welt-Reise“-Koffer hinter sich herzieht. Das Foto ist in Hamburg im Schanzenpark vor der Pandemie entstanden.

 

Foto: Peter Christmann

Eine zufrieden wirkende Familie, offensichtlich in freudiger Erwartung auf das Reiseziel, sitzt in einem Flugzeug. Der Blick durch die Fenster zeigt einen romantischen Sonnenuntergang oder Sonnenaufgang hoch über den Wolken. Die Szene wird fotografisch dokumentiert und für das Familienalbum festgehalten. Endlich in die Ferne fliegen. Der zweite Blick auf diese Szenerie entlarvt jedoch das Trugbild, das der Befriedigung von Fernweh, Sehnsüchten und Träumen dient. Eine Fluggesellschaft, als Aussteller einer Reisemesse, hat ­einen Messebauer damit beauftragt, eine Attrappe von einem Teil einer Flugzeugkabine zu gestalten. Entstanden ist eine Staffage, die einem potemkinschen Dorf gleich kommt. Diese Dekoration genügt jedoch dem flüchtigen Nutzer als Realitätsbeweis und erfüllt seinen Zweck, indem es für einen kurzen Glücksmoment sorgt. Wie oft stehen wir im Alltag vor einer Pfütze und träumen vom fernen Ozean?

 

Foto: Andreas Odersky

FERNWEH - eine schöne Erinnerung (Rijeka 2011) bringt Farbe in den Alltag

 

Foto: Sarah Spitzer, „Kaipuu = finnisch für Sehnsucht“

Gerade in Zeiten von Corona – des Home Office und der damit zunehmenden Digitalität im Alltag  – wächst in mir der Wunsch, die Ferne und Ruhe der alten tiefen Wälder Finnlands nachzuspüren.

 

Foto: Barbara Harsch

Für mich sind Bahnhöfe, Flughäfen, Wartehallen und sonstige Ankunfts- und Abfahrtsorte mit ihren besonderen Gerüchen und Geräuschen und der ständigen Bewegung von Menschen absolute Sehnsuchtsauslöser. Aber auch eine ganz einfache Stadthaltestelle wie auf dem Foto kann bei mir schnell Gedanken an das Woher und Wohin der wartenden Menschen auslösen, und oft verspüre ich dann den Wunsch, einfach auch in die nächstbeste Straβenbahn einzusteigen und ins Blaue zu fahren, noch dazu wenn die Haltestelle nicht mit einem exakten Fahrplan, sondern mit so einem mysteriösen Graffiti einlädt....

 

Foto: Reimund Belling

"Nimm mich mit, Kapitän auf die Reise." Wer träumt nicht davon, einmal unter weißen Segeln dem Alltag zu entfliehen - Kurs Paradies. Dieses Sehnsuchtssymbol habe ich an der St. Pauli-Hafenstraße in Hamburg fotografiert. Direkt vor dem Fenster donnert ganz unromantisch der Verkehr der Großstadt vorbei. Wer aber auf der Rückseite des tristen Hauses wohnt, blickt auf die Elbe, wo Tag und Nacht Fracht- und Passagierschiffe, Barkassen, Fährschiffe und Yachten unterwegs sind und das Fernweh wecken.

 

Foto: Bernd Kram

Auf einer Ägypten-Reise mit einem einheimischen Guide begegneten wir während einer Rast dieser Gruppe. Sie stand abseits von dem Gebäude, ich erkundigte mich, was sie da wohl machen. Er antwortete, die warten auf Touristen, die gerne ein Bild von der Gruppe haben möchten, natürlich gegen einen kleinen Obolus.
Später erfuhr ich, dass sie vormittags da stehen, dann verlassen sie den Platz, um am Nachmittag wiederzukommen. Durch diese Arbeit ernährte diese Frau die Familie und die Tiere.
Immer wenn ich diese Aufnahme sehe muss ich daran denken, wie sie in Zeiten der Pandemie wohl ihre Familie ernährt hat.

 

Foto: Carolin Klemm

Gerade zu Corona-Zeiten ist die Sehnsucht nach der Ferne größer als je zuvor. 
Der Flug nach Mallorca und die Buchung in der Hotelburg sind zwar möglich, werden von den Mitmenschen aber eher vorwurfsvoll kommentiert. Die weiteren Reisebeschränkungen und der Wunsch danach, etwas anderes als seine eigenen vier Wände zu sehen, führt zum Camping-Boom und beschert der Wohnmobil-Branche Rekordumsätze. Wer sich kein neues Heim auf vier Rädern leisten kann oder will, findet auch mit Hilfe von Gefährten älteren Baujahres die ersehnte Freiheit.

 

Foto: Armin Stüwe

Das Foto stammt aus dem Jahr 2012 und ist in unserem Fernweh-Land Portugal, und zwar an der Douro-Mündung entstanden. Es zeigte uns, dass selbst die Portugiesen in ihrem herrlichen Land Fernweh empfinden.

 

Foto: Lukas Rapp

Als die Pandemie begann, wurden viele von uns Flugbegleitern entlassen oder mussten in Kurzarbeit. Der Rest muss oft in Hotel- oder in Zimmerquarantäne bleiben, wenn wir vor Ort sind. – Ein Flugbegleiter zu sein, ist der Inbegriff der Definition von Freiheit, doch heute sind die meisten von uns eingesperrt. Die Pandemie schränkt nicht nur die Freiheit ein, die wir hatten, um unsere Umgebung zu erkunden, sondern sie schränkt auch unsere geistige Kapazität ein. Viele von uns sehen diesen Job als eine Lebenseinstellung. – Viele von uns blicken einer unsicheren Zukunft entgegen, viele von uns haben bereits ihren Job verloren oder haben Angst, diesen zu ­verlieren und vor dem Aus zu stehen.

 

Foto: Jana Pothfelder

Fernweh hatte ich schon immer. Deshalb habe ich viele Jahre im Ausland verbracht. Doch dieser Tage ist es noch sehr viel mehr. Es ist eine Sehnsucht - nicht nur nach Reisen, sondern nach Kunst und kulturellem Leben. Eine über 100-jährige Villa und der wunderbare farbige Putz, der bei ihrer Renovierung zu Tage gebracht wurde, haben mich zu diesem Foto inspiriert. Es war eine herrliche Kulisse für einen "Ausflug in den Louvre".

 

Foto: Beate Hoerkens

Mein Bild „White Bow“ löst bei mir immer wieder Sehnsucht nach der Weite, Stille und dem Zauber der Arktik aus.

 

Foto: Wolf Böwig

Am 29ten Oktober 2020 starb mein Freund Thilo in Tansania – kurz bevor wir uns in Äthiopien zu unserem Nilprojekt treffen wollten, recherchierte ich zu Flüchtlingsnarrativen in Italien.
Nach Dan Eldon (Somalia 1993), Ken Oosterbroek (Südafrika 1994), Kevin Carter (Südafrika 1994), Tim Hetherington (Libyen 2011), Marie Colvin (Syrien 2012), Anja Niedringhaus (Afghanistan 2014) und Karsten Thielker (BRD 2020) war Thilo Thielke einer der letzten meiner Generation, mit denen ich seit Ende der 80er Jahre zusammenarbeitete – wir wollten hinaus in die Fluten, so wie die meisten. Daraus wurde eine Reise um den Erdball
Wie ein Mayi-Mayi, einer jener magischen Krieger, die an mehreren Orten zur gleichen Zeit erscheinen, ziehen die Gesichter der Toten vorbei: shooting ghosts

„refusing heaven - reconstruction of the world“, Liberia / Italien - 2004 / 2020, Siebdruck und Skriptol auf coloriertem FB-print - 30x40cm

 

Foto: J. Grade

Das Foto verkörpert Fernweh in doppelter Hinsicht für mich; zum einen ist es der Entstehungsort (eine griechische Insel), an den man sich mit Wehmut zurücksehnt, dann ist es aber auch das, was es momentan an Gedanken hervorruft: In steinerner Mauer gefangen, in ganzer Länge halb aufgerichtet, den Himmel suchend im Schmerz.

 

Foto: Ines Wuttke

Als ich auf mein Essen to go bei der Pizzeria ums Eck wartete, fiel mir sofort diese großflächige Bildtapete von Venedig auf, das Lieblingsreiseziel meiner Mutter. Die gemalte Weinflasche neben dem echten Desinfektionsspray und den echten Plastikblumen auf dem Tisch – ein skurilles Stillleben in seltsamen Zeiten.

 

Foto: Karsten Niels O. Nolte, "analog Reisen"

Analoge Kamera, Landkarten, Briefe von Freunden an die Botschaft im Ausland als Kommunikationsmittel. oder das Bezahlen mit Traveller-Cheques sind schon lange nicht mehr zeitgemäss. Aber das Betrachten der Erinnerungsstücke führt zu Fernweh.

 

Foto: Vera Nowottny

Bikinizone_Serie Pflege.
Corona verhindert das Reisen und auch der Sommer zeigt sich lediglich verhalten, mein Körper wäre reif für die Ferne und ist entsprechend vorbereitet,  aber Corona liegt noch immer noch wie ein Film über allen Plänen.

 

Foto: Tobias Meier

Überall auf der Welt gibt es Menschen die Fernweh haben, genau in diesem Moment.  Das Bild ist 2018 während meines Urlaubs in Amsterdam entstanden.

 

Foto: Fred Hüning

Die Sehnsucht nach der Ferne, nach unbekannten Welten, neuen Entdeckungen und gleichzeitig die Furcht vor der allgegenwärtigen Pandemie.
Zusammenarbeit mit meinem Sohn Rocco (Zeichnung). Das Foto entstand am Stechlinsee - ggü. dem stillgelegten Atomkraftwerk.

 

Foto: Anja Kappelmeier

Sehnsucht nach draußen. Sehnsucht nach Abenteuer. Sehnsucht nach mehr.

 

Foto: Hendrik Faure

In unserer Galerie steht auch die Tiefdruckpresse mit einer Sammlung kleiner Druckplatten. Für Besucher, die zum ersten Mal kommen, drucke ich eine Héliogravure - als Entschädigung für lange Anreisen und um das Prinzip der Aquatinta zu demonstrieren.
Für Kinder ab 3 Jahren halte ich Tierphotos und Reisebilder wie dieses vor. Wenn sie stark genug sind, dürfen sie selber die Presse betätigen.

 

Foto: Uli Schaub

“Auf in den Süden!“ (Ein Traum)

 

Foto: Ludger Müller

Wie schön ist es, sich im trauten Heim dem Fernweh hinzugeben, von einem fernen Ort zu träumen, an dem es das wahre Leben geben soll. Oft bleibt es aus Bequemlichkeit oder aus fehlendem Mut beim wohlig schmerzlichen Gefühl einer unerfüllten Sehnsucht. Bricht man von „Fernweh“ geplagt schließlich doch auf, bedarf es eines Ortes, von dem man sich voller Sehnsucht wegbewegen kann, an dem man aber auch ins Vertraute zurückkehren kann.

 

Foto: Jim Norbert Zimmermann

Im Rahmen des sinnlos erscheinenden Holzgestells die beiden verlorenen Figuren auf einem endlos weiten Weg zu Dünen und Meer.

 

Foto: Karen Fries und Karen Stuke

Seit Januar 2021 sind Karen Fries und ­Karen Stuke auf Reisen. Wie ist das möglich im Lockdown – wo man doch zu Hause bleiben sollte? Doch offiziell dürfen sich zwei Haushalte in Innenräumen treffen. So haben die beiden Weggefährtinnen festgestellt, dass Frankreich und seine Arrondissements durchaus in Berlin Friedrichshain zu bereisen sind. Sowohl kulinarisch als auch virtuell. Mit passendem Essen, Getränken, selbstverständlich angemessener Kleidung, Dokumentationen und Spielfilmen. Was macht man noch auf Reisen? Fotografieren und Postkarten schreiben! Weitere Bilder der Serie: www.karenstuke.de

 

Foto: Tobias Klostermann

Fernweh bedeutet zuallererst, sich zugunsten eines vermeintlich
besseren Orts oder Ziels von dort wegzusehnen, wo man gerade ist. Bei diesem Selbstportrait aus dem Jahr 1993 war es der jugendlich-naive Wunsch, den schulischen Alltagstrott hinter sich zu lassen und einfach ein neues Leben an der See zu beginnen.

 

Foto: Barbara Kenedi

Und während ich mich nach der Ferne sehnte, nach Wüste, Dschungel, Pyramiden, Ausblicken, Innenstädten, Gärten, Kunst, Kultur und Architektur... habe ich doch nur wieder und wieder den selben Kirchturm meines Dorfes umrundet.

 

Foto: Elvira Schulenberg

Fernweh, so mein Gegenort: das „Weh“, verweilt. Die „Ferne“, dort. (Mixed Media-Collage, ohne Titel)

 

Foto: Maciej Schwarz

Gefangen in der Sehnsucht.

 

Foto: Laura Tomaselli

Minütlich erreichen uns neue Meldungen. Meldungen, die uns ständig daran erinnern, dass wir uns inmitten einer Krise befinden. Entscheidungen werden getroffen und umgesetzt, doch führen diese uns auch aus dem Irrgarten raus?
Unsere Erinnerungen an die unbeschwerten Zeiten lösen Sehnsucht und Wehmut aus, geben uns aber auch Hoffnung, Hoffnung auf eine unbeschwerte, wertvollere Zeit danach.

 

Foto: Joachim Lemm

Die Reisebüros sind geschlossen. Da bleibt nur der Blick ins Schaufenster auf das, was hätte sein können: türkis-blaues Meer, Sonne, unbeschwertes Badevergnügen...

 

Foto: Joanna Vortmann

Seit 2013 fotografiere ich Personen, die nicht in ihrer Heimat leben. Aus beruflichen Gründen oder weil sie ihr Land verlassen mussten. Ibrahim A. kam 2015 aus Syrien nach Köln. Ich bat ihn, ­Gegenstände mitzubringen, die er mit seiner Heimat verbindet. Er brachte mir auch ein Gedicht mit, welches er geschrieben hatte. „Ich warte schon sehr lange. Das Warten hat mich viel Energie gekostet. Es hat mich viel Lebenszeit gekostet. Worauf warten wir? Worauf warten wir?…. Ich habe es vergessen. Ich habe im Schutt der zerstörten Häuser danach gegraben. Ich habe zwischen den Leichenteilen getöteter Frauen und Kinder ­gewühlt. …Worauf warte ich? ... (Auszug)

 

Foto: Dorothea Essig-Bruch

"Nah und fern"
Das Foto ist schon etwas älter, aber es schien mir doch sehr passend für diese Zeiten und dieses Thema. Dieser Aussichtspunkt ist eine ehemalige Bergehalde, die nur einen Kilometer von unserer Wohnung entfernt ist - also nah. Nach steilem Aufstieg kann man oben den Blick weit schweifen lassen, und das Fernweh wird mit diesem Ausblick gestillt.

 

Foto: Astrid Susanna Schulz

Ein Seemann muss in die Ferne
wo er
doch gerne
just wär'.

 

Marvin Systermans, Toque de Queda, Berlin

Die Corona Pandemie wird von jedem Menschen anders erlebt, während sie einerseits wie ein Brennglas für Konflikte und Missstände wirkt, können sich gleichzeitig einige wenige Menschen an ihr bereichern. Ein für viele Menschen verbindendes Merkmal ist die soziale Isolation, andauernde Ungewissheit und ein verändertes Zeitempfinden. In einem kollaborativen Projekt setze ich mich gemeinsam mit der Künstlerin und Fotografin Raisa Galofre mit den Auswirkungen der Lockdowns auf das öffentliche und private Leben auseinander.

 

Foto: Frister Ostwald

Wenn Fern- und Heimweh miteinander ringen: Playa de las Caletas auf Lanzarote

 

Foto: Philipp Heidreder

Wohnanhänger sind die kleine Freiheit. In Zeiten der Pandemie sind sie nutzlos und stehen in Innenstädten eingepackt und wie gestrandet herum. Auch sie warten.

 

Foto: Petra van Husen

Die Sehnsuchtswelten in Miniatur sind fotografierte Collagen aus unterschiedlichen Materialien. Hier der Blick in das träumerisch verwandelte Johannesburg, einer Stadt, in der ich eine Zeitlang gelebt habe und die im vergangenen Jahr unerreichbar war.

 

Foto: Christoph Eberle

Fernweh beschreibt die menschliche Sehnsucht, vertraute Verhältnisse zu verlassen und sich die weite Welt zu erschließen. Und sei es nur in Gedanken, wenn Mut oder Möglichkeiten fehlen.

 

Foto: Anja Segermann

Manchmal gibt es Tage, an denen Ferne im Alltag unheimlich nah wirkt. Aus der Serie Kaltfont, 2021. 

 

Foto: Michael Haag

voller Sehnsucht nach der Ferne, stattdessen angehalten, ausgebremst

 

Foto: Birgit Lemm, "Fata Morgana"

Sehnsuchtsort Oase. Hier eine Variation ohne Wasserquelle und Wüstensonne. Über dem Meer im Hintergrund liegt eine Nebelbank.

 

Foto: Klaus Drews

Die Phantasie hilft der Sehnsucht, einen Platz zum Wohlfühlen zu schaffen.

 

Foto: Maximilian Nottebohm

„Fernweh: die Sehnsucht nach mehr“
Ich soll studieren haben sie gesagt. // Ich soll was Vernünftiges machen haben sie gesagt. // Ich soll was Sicheres machen haben sie gesagt. // Nun sitze ich hier oben. // Fühle mich gefangen. // Ich habe mein Leben der Firma gewidmet. // Meiner Familie geht es gut. // Einmal im Jahr können wir in den Urlaub fahren. // Ich sollte doch glücklich sein? // Ich habe nie auf mein Herz gehört. // Ich habe mich immer von anderen leiten lassen. // Nun denke ich darüber nach was hätte werden können. // Ich verspüre immer wieder die Sehnsucht nach mehr, nach etwas Größerem.

Foto: Christian Scholle

Hier spiegelt sich nicht nur meine Sehnsucht neue Landschaften zu entdecken, sondern auch einer neuen Berufung zu folgen. Auch nach einem schon langen Berufsleben bin ich immer noch aktiv im Entdecken und Professionalisieren neuer Möglichkeiten.

 

Foto: Laura Peral

Auszug aus der Serie P.S. – Was bleibt?

 

Foto: Stefanie Funk

Das ist alles nur in meinem Kopf! Was bleibt ist die Erinnerung...

 

Das zehnte Thema lautet: KONSUM
Geschlossene Läden und „click & collect“ haben in den letzten Monaten manches infrage ­gestellt. Der ­erzwungene Verzicht hat weitreichende, globale Folgen. Zum Thema „Konsum“ gehört der Warenfluss ebenso wie die Befriedigung eigener Bedürfnisse. Eine zum Teil prekäre Arbeitswelt. Reichtum. Glitzer u.v.m.

Wie bei den früheren Runden: bitte nur ein Bild (300 dpi, ca 14 cm breit) und Text per E-Mail an redaktion@photonews.de senden.

Einsendeschluss (für das Heft 9/2021) ist der 30. Juli 2021

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Verhinderte Potenziale

Von Daniel Blochwitz

(ergänzend am Ende des Dokuments Forum für Kommentare)

Daniel Blochwitz, aus der Serie "Critical Distance", 2010

Privileg wird bestimmten Menschen schon in die Wiege gelegt und begleitet sie dann wohlwollend meist ein Leben lang. Privilegien reproduzieren sich durch Traditionen, Bildung und Netzwerke. Privilegiert darf sich nennen, wer ungehindert aus dem Vollen schöpfen kann, wer frei agieren kann, ohne das ein mögliches Scheitern sofort existenziell bedrohliche Züge annimmt. Es ist ein Privileg, wenn einem Hürden aus dem Weg geräumt werden, statt diese noch erhöht oder vermehrt zu bekommen, wenn also die Risiken neuer Ideen, Unternehmungen oder Herausforderungen minimiert werden und nicht schier unüberwindbar strukturiert sind.

Folgerichtig, wenngleich etwas überspitzt formuliert, bedeutet Privileg, wenn einem etwas Positives geschieht, wofür man nicht mehr als Andere gearbeitet oder worum man sich nicht gezielt bemüht hat. Die Dinge passieren Privilegierten oft fast mühelos, quasi nach Belieben; und die Häufigkeit solch sogenannter glücklicher Fügungen ist aus statistischer Sicht für Privilegierte unwahrscheinlich hoch. Meist kennen Privilegierte das Geheimnis ihres Erfolges ganz genau, wissen von der relativen Unverhältnismäßigkeit zwischen ihren eigenen Anstrengungen und den verliehenen Lorbeeren. Sie sind Selbstvermarktungsmaschinen voller Automatismen. Wer mag sich und der Welt jedoch schon gerne eingestehen, dass das so schön polierte Image auf keinen exzeptionellen Glanzleistungen beruht?

Wer, andererseits, aus unterprivilegierten Verhältnissen kommt, weiß in der Regel von der unbedingten Notwendigkeit zu berichten, immer auffallend besser sein zu müssen, nur um eine gleiche Chance zu erhalten. Schlauer, schicker, eloquenter, erfahrener, charismatischer. Und trotzdem meist das Nachsehen, weil einem das Muss aus jeder Pore dringt. Overdressed oder overqualified ist bei Privilegierten kein Problem. Doch Understatement muss man sich eben leisten können. In den Auseinandersetzungen um Chancengleichheit wurde in der vergangenen Zeit viel vom Privileg bestimmter Bevölkerungsteile gesprochen und dabei leicht provokant aber nicht zu unrecht auf alte weiße Männer reduziert. Erstaunlich abwesend von diesen Diskussionen um binäre Identitätsmerkmale waren jedoch bisher in Deutschland die nicht weniger verstetigten Privilegien von Klasse[1] und Herkunft.

Wenn man sich nun in der Kunstwelt beeilt, dem Zeitgeist Ausstellungen und Programme zu liefern, die größere Vielfalt versprechen, so beschränken sich diese leider zu oft auf Lippenbekenntnisse. Die hastigen Korrekturen übersättigen den Moment, was nicht selten zynisch wirkt und in jedem Fall kontraproduktiv ist, weil sich langfristig nichts an den strukturellen Benachteiligungen ändert. Genuine Veränderungen sehen anders aus. Buchstäblich. Und so scheißt der Teufel noch immer auf den größten Haufen - ja, auch in der deutschen Fotoszene.

Umgeben von dieser halbherzigen Sensibilisierung im Kunst- und Fotografiebetrieb steht da noch ein Elefant bisher nichteingestandener Privilegierung im Raum. Wer sich jedoch traut, die Präsenz dieses dünnhäutigen Dickhäuters anzusprechen, erntet meist genervtes Augenrollen in den heiligen Hallen der Kunst. Es handelt sich hierbei nämlich um die unverhältnismäßige Überrepräsentanz Westdeutscher in den allermeisten fotografiegeprägten und -prägenden Tätigkeitsbereichen in Deutschland. Auch nach über 30 Jahren hat insbesondere die seit der Wende ausgebildete und berufstätig-gewordene Generation ostdeutscher[2] Fotoexpert/innen statistisch gesehen kaum eine Chance, an vorderer Front mitzugestalten, wie die deutsche Fotografie historisch eingeordnet wird, welche zeitgenössischen Positionen und Diskurse verhandelt werden und wohin sich das Medium hierzulande in Zukunft entwickeln wird.

An dieser Stelle möchte ich eine klärende Zwischenbemerkung einschieben, um dem Vorwurf des Jammerossis vorwegzugreifen: Denn der nachfolgende Text wurde nicht als eine beleidigte Replik eines “zu kurz gekommenen” Ostdeutschen verfasst, sondern versteht sich als kritische Wortmeldung zu einem bisher “zu kurz gekommenen” Thema. Der in der DDR geborene, in den USA ausgebildete und in der Schweiz lebende Autor fordert von niemandem einen Platz am Tisch ein, sondern bringt sozusagen einen eigenen Stuhl mit, wie es eine befreundete Kollegin kürzlich ausdrückte. Also keine Angst, es geht mir nicht um eine berufliche Reise nach Jerusalem, sondern um die Sache und damit um das, was auch die Wiedervereinigung eigentlich hätte sein sollen: ein konstruktives Mehr an Stimmen, Erfahrungen und Ideen zugunsten aller.

Aber weiter im Text.

Jörg Colberg schrieb in einem Beitrag über den Westberliner Fotografen Michael Schmidt, für mich eher überraschend, “Der Unterschied zwischen ost- und westdeutscher Fotografie läuft natürlich nicht auf gut oder schlecht hinaus. Vielmehr ist es eine Frage der Anerkennung. Weite Teile der Geschichtsschreibung des Mediums muss noch stark überarbeitet werden, um ostdeutschen Künstler/innen die ihnen gebührende Beachtung zu geben: Eine künftige Geschichte der deutschen Fotografie darf nicht dem Beispiel der ‘Wiedervereinigung’ folgen, die in Wirklichkeit und in der Form eine Eingliederung Ostdeutschlands in die westdeutsche Bundesstruktur war, mit, wenn überhaupt, sehr wenigen Anpassungen auf westlicher Seite (die Folgen dieser Tatsache werden Deutschland wohl noch lange begleiten)”[3].

Oft kamen nach der Wende die entscheidenden Impulse für eine positivere Rezeption ostdeutscher Fotografie und ihrer Geschichte von aussen - also eher von Kurator/innen und Kunstwissenschaftler/innen aus den USA, Frankreich oder Polen. Erst dann schienen auch westdeutsche Verwerter aufmerksam zu werden und zeigten sich erstaunt über das Niveau der Fotografie ihrer “Brüder und Schwestern” im Osten. Dabei gab es ja auch im eigenen Land durchaus kundige Expert/innen, die man schon früh und nicht nur punktuell zu Mauerfall-Jahrestagen hätte zu Rate ziehen können.

Darin äussert sich denn auch der andere Aspekt einer fehlenden Anerkennung. So betrifft es ja nicht nur Künstler/innen mit Ost-Vita, sondern auch und insbesondere all die anderen, wissenschaftlich, akademisch oder kuratorisch in der Fotografie tätigen mit einer solchen. Hier gibt es eine stark unterschätzte und sträflich unangetastete Expertise zur Fotografie und Bildkompetenz. Die ostdeutsche Geisteswissenschaftlerin Katrin Frisch notierte kürzlich in einem sehr lesenswerten englischsprachigen Beitrag über die fehlenden Zugangschancen für ostdeutsche Akademiker/innen, dass gerade mal 1.5% aller höheren akademischen Stellen in Deutschland mit Ostdeutschen besetzt sind und es auch darunter nicht viel besser aussieht.

Frisch resümiert dann weiter, dass “viele [Westdeutsche] es bevorzugten, oder so erscheint es, Ostdeutsche als Forschungsobjekte zu betrachten, nicht aber als akademische Kolleg/innen”[4], was übertragen auf die Kunstwelt bedeutet, dass ostdeutsche Künstler/innen als andere Positionen für Ausstellungs-, Forschungs- und Sammlungszwecke durchaus von verwertbarem Interesse sind, selten aber als gleichberechtigte Gesprächspartner/innen und schon gar nicht als selbstbestimmte und selbstbestimmende Ausstellungsmacher/innen oder Kunstgeschichts-schreiber/innen. Dabei wäre es doch sehr spannend, einen genuinen Blickwechsel auf Augenhöhe zu haben, oder gar endlich auch mal westdeutsche Fotografie aus der kritischen Distanz einer östlichen Perspektive zu betrachten.

Woher rührt jedoch bis heute die Annahme, daß man an der Elbe von Bildungs- und Kulturangeboten mit rheinländischer Provenienz lernen kann, aber andersherum nicht? Warum fehlt das ehrliche Interesse oder zumindest der Wille an einer Auseinandersetzung mit Fragen und Inhalten, die von ostdeutscher Seite in den Raum gestellt werden? Glaubt man tatsächlich schon alle Flüsse zu kennen, nur weil man am Rhein sitzt? Das klingt doch reichlich provinziell …

Klar, durch diesen einseitigen Kulturtransfer “sollten die Ostdeutschen die Kunst des ‘freien Westens’ kennenlernen und über sie demokratische Werte und Bildung vermittelt bekommen”, vermerkt der Hamburger Kunsthistoriker Carsten Probst im Deutschlandfunk durchaus kritisch dazu.[5] Das sich hier die Logik und das Denken des Kalten Krieges spiegeln, scheint aber auch ihm nur bedingt aufzufallen. Kunst wurde ja auf beiden Seiten des eisernen Vorhangs instrumentalisiert. Das dürfte niemandem wirklich neu sein. Allein die Frage, ob man im Kunstschaffen freier ist, wenn man für den Markt statt für den Staat produziert, wäre es wert ideologiefrei zu diskutieren. Interessanterweise haben ja die erfolgreichsten—will heißen staats- und markthörigsten—Künstler (selten Künstlerinnen) auf beiden Seiten immer vergleichsweise feudal gelebt.

Wende und Wiedervereinigung hätten also durch einen offenen und gegenseitigen Wissens- und Erfahrungsaustausch tatsächlich ein neues Kapitel in der gesamtdeutschen Kunst aufschlagen können. Erweiterte Horizonte rundum. Stattdessen beharrte man am Rhein auf dem Standpunkt der ach so “freien Kunst” im Westen - und unterschlägt dabei gerne, daß es gerade auch Künstler/innen und Wissenschaftler/innen waren, die sich ebendiese Freiheiten an vorderster Front im Osten erstritten hatten. Der Anspruch, Ostdeutsche von den Vorzügen freier Kunst- und Wissensproduktion überzeugen zu müssen, scheint mir daher doch etwas vermessen. Sie waren ja schon lange da. Und in gewisser Weise warten sie dort bis heute.

Ja, die Lage an deutschen Kunstinstitutionen und -fakultäten ist für qualifizierte Ostdeutsche katastrophal: egal ob an Rhein oder Elbe, es sind zumeist Leute mit Westbiografien, die an den langen Hebeln agieren dürfen. Ausnahmen bestätigen und verschärfen da leider oft die Regel. Weil es bisher aber leider kaum belegte Zahlen gibt, die über die vielen anekdotischen Erfahrungsberichte hinaus etwas stichhaltiges zur Benachteiligung Ostdeutscher im deutschen Kunstbetrieb sowie in der Kunst- und Wissensproduktion Made in East Germany liefern können, beschloss ich während des Schreibens dieses Textes kurzerhand, meine eigene Recherche anhand öffentlich zugänglicher Informationen zu wagen — eine sehr aufwendige und kleinteilige Puzzlearbeit.[6] Auch wenn ich dabei erst am Anfang meiner Datensammlung stehe, so habe ich doch mittlerweile schon eine recht aussagekräftige und repräsentative Stichprobe zusammengetragen. Und das Ergebnis überraschte mich doch etwas, wenn auch nicht in dem Punkt, um den es in diesem Text hauptsächlich geht.

Was Stefan Gronert im Sprengel-FOTO-Blog nämlich mit gespieltem Erstaunen in Sachen Geschlechterverhältnis an deutschen Museen vermerkte, lässt sich anhand meiner Recherchen auch mit Zahlen belegen: “… ein Wandel vollzieht sich!”[7] Frauen haben hier nicht nur aufgeholt, sondern ihre männlichen Kollegen zahlenmässig scheinbar sogar überholt. So sind laut meiner Zählung 54.5% der Führungspositionen an deutschen Kunstmuseen mittlerweile mit Frauen besetzt, 45.5% mit Männern. Der vormals berechtigte Vorwurf an den Kunstbetrieb, eine männlich dominierte Domäne zu sein, lässt sich zumindest statistisch gesehen nur noch schwer aufrechterhalten.

Allerdings tauchen in einer Statistik natürlich subjektive Aspekte, wie Führungsstil, Arbeitsklima und -teilung, Leitungs- und Förderkultur oder auch Work-Life-Balance, ja, bis hin zur verwendeten Sprache, zu vermittelten Werten oder der Art und Weise der inhaltlichen Arbeit, nicht auf. Das ist wichtig, im Auge zu behalten. Bewusste Nachbesserungen an diesen Stellen könnten die Kunstwelt nachhaltig für neue, vielfältigere, andere oder gar unorthodoxe Einflüssen, Ideen und Perspektiven öffnen. Da besteht tatsächlich noch großer Reform- und Entwicklungsbedarf, denn genau hier manifestiert sich oft noch ein tendenziell patriarchalischer, tradierter, voreingenommener und selbstverliebter Kunstbetrieb.

Wenn wir nun also peu à peu alte weiße Männer aus dem Westen gegen zumeist junge weiße Frauen aus dem Westen auswechseln, dann ist das natürlich erstmal erfreulich. Denn es bedeutet ja: Wo ein Wille ist, ist also auch ein Weg! Aber es ist eben nur der halbe Weg. It mainly serves the optics. Es bricht aber noch lange keine kulturelle Hegemonie an deutschen Museen.

So, nein, Herr Gronert, die kommenden Kuratorinnen allein sprengen noch keine Schranken. Die strukturellen Zugangsbeschränkungen liegen wesentlich tiefer. Wer beispielsweise in Ostdeutschland oder außerhalb deutscher Grenzen, in eine Arbeiterfamilie oder mit migrantischen Wurzeln geboren wurde, hat es in Deutschland noch immer schwer, einen Fuß in die Tür des deutschen Kunstbetriebs zu bekommen. Und so sind es genau diese first-hand Perspektiven, die noch immer außen vor bleiben.

Das bestätigt auch Thomas Krüger, der Präsident der Bundeszentrale für politische Bildung, laut eines Beitrags der Süddeutschen Zeitung und sieht eben gerade in der Kunstszene eine besonders starke Ausprägung gesellschaftlicher Ungleichheit. “Ausgerechnet”, schreibt Stefan Braun für die Süddeutsche und zitiert dann Krüger, “‘Bei genauerem Hinsehen sind die Unterrepräsentanzen von Ostdeutschen und von Migranten hier noch viel gravierender. Weißer, männlicher, westdeutscher, älter.’ Das künstlerisch-intellektuelle Milieu täusche ob seiner Weltoffenheit leicht darüber hinweg, ‘dass auch hier klassische Machtstrukturen präsent bleiben’. Aus diesem Grund, so Krüger, könnte ausgerechnet der Bildungs- und Kultursektor seine Funktion als Vorreiter einer Modernisierung der Gesellschaft einbüßen”.[8] Vielleicht ist die Kunstszene ja nicht mehr ganz so männlich und bejahrt, wie Herr Krüger das sieht, aber vorbildlich ist sie in diesen Fragen deshalb noch lange nicht. Und auch der klassenkämpferische und antirassistische Ton in heutigen Diskursen erinnert leider noch zu oft an ein Mäntelchen, was man sich nach Belieben umhängen kann. Im Zweifelsfall bleibt man nämlich doch lieber unter Seinesgleichen.[9]

So waren denn auch die von mir recherchierten Zahlen zum Verhältnis von “ostdeutsch” geführten Ausstellungshäusern (4.7%) zu solchen mit “westdeutscher” Leitung (80.6%) wenig überraschend[10]. Dies betrifft Museen des gesamten Bundesgebiets, also von Frankfurt/Main bis Frankfurt/Oder, von Erfurt bis Herfurt, von Bonn bis Berlin. Die Chance, in einem ostdeutschen Museum eine westdeutsche Direktion zu finden, ist doppelt so hoch, wie die, dort eine/n Leiter/in mit ostdeutscher Biografie anzutreffen. Ostdeutsche in Führungspositionen an westdeutschen Kunstinstitutionen sind die absolute Ausnahme. Man kann sie locker an einer Hand abzählen. Ich lasse mich aber gerne eines Besseren belehren und hoffe inständig auf größer angelegte und unabhängige Studien. Laut meiner Zahlen machen ausländische Führungskräfte in deutschen Kunsteinrichtungen übrigens die restlichen 14.7% aus und kommen in der Regel aus westeuropäischen Ländern, wie den Niederlanden, Dänemark, Frankreich, Österreich oder der Schweiz.

Kürzlich fiel die entstandene Schieflage in der deutschen Kunstszene nun sogar dem Kunstmagazin Monopol auf. Da wurde berichtet, dass seit 1990 bisher nur zwei Künstler (und noch keine Künstlerin) mit Ostbiografien im deutschen Pavillon in Venedig ausstellen durften, von einer Berufung Ostdeutscher für die künstlerische Leitung der deutschen Biennale-Beiträge ganz zu schweigen.[11]

Wenn man nun also unter den Gesichtspunkten kultureller Hegemonie, gepaart mit gewissen “Siegerkunst”-Allüren (Wolfgang Ullrich), auch die deutsche Fotoszene genauer betrachtet, dann fällt eben leider auch hier sofort das starke West-Ost-Gefälle bezüglich Mitwirkung und Einflussnahme ins Auge. Auch hier hat es sich eine altbundesdeutsche Perspektive an rheinischen Ufern bequem gemacht und sich in ihren infrastrukturellen und finanziellen Privilegien relativ gut eingerichtet. Man versteht sich gern als strahlender White Cube Westdeutschlands und definiert von hier aus selbstbewusst—und zu oft selbstreferenziell—das Medium, welches man übrigens auch konsequent und allen Reformversuchen zum Trotz noch immer Photographie schreibt.

In etwas schüchternen aber PR-wirksamen Reuegesten schütteten Konzerne von Rhein und Ruhr, die durch Gold, Stahl, Aluminium und Zwangsarbeit von Nazizeit und Krieg profitiert hatten, viel Geld über die hiesige Kunst- und Photographie-Szene aus. Der Siegeszug einer so geförderten Nachkriegskunst und -Photographie lässt sich dann rheinauf- und -abwärts gut nachverfolgen. Es lässt aber auch keinen Zweifel daran, von wo aus deutsche Photographie bis heute gedacht, betrachtet, bewertet, delegiert sowie historisch und theoretisch eingeordnet wird. Stimmen aus der ewigen Dunkelkammer Ostdeutschland sind da kaum vernehmbar, und wenn sie doch von der Elbe herüberdringen, dann sind sie nicht selten rheinisch eingefärbt.

Nachdem nämlich viele westdeutsche, kuratorisch, wissenschaftlich oder akademisch Arbeitende in der alten Bundesrepublik seit den 1970er Jahren erfolgreich eigene Strukturen in Sachen Fotografie—in Form von heute tonangebenden Stiftungen, Lehrstühlen, institutionellen Sammlungen und Ausstellungsorten—aufbauen konnten, eröffneten sich ihnen seit 1990 außerdem in den neuen Bundesländern quasi konkurrenzlos und über Nacht weitere Wirkungsorte und Karrierechancen. Man war dann auch nicht zögerlich, diese Gelegenheiten “personeller Neuausrichtungen” in Anspruch zu nehmen und zeigte dabei kaum Skrupel, dass die paar verbliebenen ostdeutschen Kolleg/innen nur 70% ihres Gehalts erhielten. Viele Institutionen im Osten sind so bis heute fest in ihrer Hand - ein exemplarischer Blick nach Leipzig lohnt sich da.

In Leipzig wurden beispielsweise Diplomanwärter/innen des Fachbereichs Fotografie an der Hochschule für Grafik und Buchkunst, die 1993 ihren Professor – einen der bedeutendsten und international bekanntesten Fotografen aus dem Osten und einen stets aktiven Vermittler zwischen der Fotoszene in Ost- und Westeuropa – nicht von heute auf morgen gegen einen West-Import eintauschen wollten, wie zuvor “die alte Mark der DDR … [gegen] unsere DM”, wie es die aus Bonn stammende Kanzlerin ganz unsachlich formulierte, von dieser als “unflexibel” bezeichnet.[12] Das die Umstellung im Osten eine “Infusion von Kompetenz und Wissen” aus dem Westen brauchte, wie Steffen Mau zu Bedenken gibt[13], mochte in vielen Bereichen von Wirtschaft und Verwaltung durchaus zutreffen, erscheint aber gerade in der Kunst eher absurd. Besagter Fotografieprofessor hatte ja zur gleichen Zeit auch einen Lehrauftrag in Dortmund. Und die sogenannte Neue Leipziger Schule wurde in den 1990er Jahren durch ihre ostdeutsch geprägte Malerei eine international erfolgreiche “Marke”—nicht, wie damals erwartet, durch den nun westdeutsch geführten Fachbereich Fotografie. Der Rest ist Geschichte - mit einem sehr langen Schatten.

Gleichzeitig erkannten Westdeutsche im Osten auch schnell das symbolische Kapital eines Wirkens an unterprivilegierten Standorten. Man kann es auch aufgesetzten Street Credit nennen. In soziologisch geschulten Kreisen spricht man wohl eher von moving out to move up[14]. Zudem lag das Augenmerk neuer westdeutscher Führungskräfte auch nicht auf der Forschung, wie Carsten Probst für den Deutschlandfunk festhält, sondern vor allem auf Administration und Geschäftsleitung.[15] In einem kapitalistisch geprägten Kunstbetrieb empfiehlt man sich nun mal am besten mit guten Noten im Management und Verkauf. Wer da geschickt manövriert, dem stehen deutschland- und europaweit hinterher sehr viele Türen offen - und natürlich kann man dann auch schon mal den deutschen Pavillon in Venedig kuratieren. The sky is the limit - nicht die gläserne Decke, die viele Ostdeutsche bis heute anstarren müssen.

Beispiele solcher erstaunlichen Karrieren zementiert jedoch die Deutungshoheit der deutschen Kunst und Fotografie langfristig auf eine westliche Perspektive. Die ostdeutsche Fotografie wird so auf ihre vermeintlichen Defizite, ihre sozialdokumentarische und narrative Ausrichtung sowie ein paar ins westliche Bild passende Positionen reduziert. Unmöglich bleibt dagegen die von Colberg geforderte Korrektur der deutschen Fotogeschichte unter umfänglicher Berücksichtigung ostdeutscher Beiträge. Sarah Meister, MoMA-Fotokuratorin und zukünftige Leiterin der Aperture Foundation, beschrieb kürzlich, wie man durch das gezielte Einfügen bisher unentdeckter, vernachlässigter oder unterschätzter Werke in den Kanon, “die Aussagen, die wir über die Geschichte der Kunst treffen können, verändern kann. [Das Auffinden solcher Positionen] ist eine Kombination aus Detektivarbeit und Diplomatie, belohnt durch den Gedanken daran, was zukünftige Generationen mit diesen Bildern alles anfangen werden.”[16]

Von einer ähnlichen Art des Verantwortungsbewusstseins gegenüber einer ausgewogenen Erzählung deutscher Fotografiegeschichte und den gegenwärtigen Entwicklungen dieses Mediums sind wir leider noch weit entfernt. Im “Selbstgespräch des Westens über den Osten” (Klaus Wolfram) liegt das Zentrum wie selbstverständlich am Rhein und die Peripherie weiterhin an der Elbe. Die westdeutsche Subjektive verklärt sich so selbst zur Totalen. Eine wahrnehmbare ostdeutsche Subjektive fehlt (wie auch andere).

Zuletzt spürte man dies übrigens in der Debatte und Lobby-Arbeit um das geplante Bundesinstitut für Fotografie: da diskutieren die Expert/innen aus Düsseldorf und Essen sehr öffentlichkeitswirksam über das Für und Wider ihrer respektiven Standorte, während mögliche Optionen, wie Dresden oder Leipzig, noch nicht einmal in Betracht gezogen wurden. Dabei gäbe es sogar dezentrale Lösungen für ein solches Institut, welche bestehende Strukturen aufgreifen und föderal vernetzen könnten — und damit ein möglichst breites Spektrum an fotografischen, fotogeschichtlichen und -theoretischen Positionen demokratisch und zufriedenstellend abdecken könnten. Doch statt entsprechend inhaltlich und innovativ zu denken, argumentiert man geopolitisch und mit viel Kohle. Statt eine arbeitsfähige und -teilende Institution für die gesamtdeutsche Fotografie zu etablieren, möchte man in Deutschland mal wieder eine Art Schloss bauen. Mit Rheinblick.

Selbst eine zu diesem Thema von der geschätzten (aber auch am Rhein verankerten) Deutschen Gesellschaft für Photographie in Kooperation mit der Photographischen Sammlung/SK Stiftung Kultur veranstalteten Konferenz, kommt über “Denkanstöße für das Rheinland und Ruhrgebiet” nicht hinaus. Das bemängelte sogar die gebürtige Rheinländerin Maren Lübbke-Tidow in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung als “eine Selbstbeschränkung, die dem nationalen Anspruch des künftigen Instituts nicht gerecht wird, und man musste sich fragen, warum hier nicht bundesländerübergreifend, ja international, divers und auch generationenübergreifend über ein Medium diskutiert wurde, das wie kein anderes über regionale und nationale Grenzen hinweg global verständlich und zugleich noch immer zu wenig erforscht ist und internationale Standards zur Verständigung braucht.”[17] Von den östlichen Bundesländern aus betrachtet, ist und bleibt diese Frage natürlich eine rein rhetorische, denn immerhin gibt es schon seit dem 26. Juni 1992 einen gültigen Bundestagsbeschluss, wonach “neue Bundeseinrichtungen grundsätzlich in den neuen Bundesländern anzusiedeln” seien.[18] Bald jährt sich auch der Beschluss zum dreißigsten Mal. Mit diesen Versprechen im Kopf sind wir mittlerweile alle leicht ins Alter gekommen.

Nun vollzieht sich im Osten Deutschlands aber gerade ein Generationswechsel. Die wenigen ostdeutschen Mitwirkenden und Wegbereiter, die direkt nach der Wende als Kurator/innen, Professor/innen und Kunsthistoriker/innen tätig werden (oder bleiben) konnten, gehen jetzt so langsam in den Ruhestand. Meist werden sie eher sang- und klanglos verabschiedet - ihren Lebensleistungen und Verdiensten rund um die Fotografie absolut unwürdig. Und selbst wenn sie geehrt wurden, fühlt man sich eher an Wolfgang Mattheuers “Die Ausgezeichnete” (1973/74) erinnert.

Nicht alle Zeit heilt alle Wunden gleich. Und insult follows injury, denn anschließend werden sie in der Regel durch westdeutsche Kolleg/innen beerbt. Der einseitige Elitentransfer von West nach Ost ist auch dreißig Jahre nach der Wende nicht abgeflacht. “Es ist auch beschämend, wie sich der Elitentransfer vollzogen hat”, sagt denn auch Judith C. Enders, Diplompolitologin und Mitglied der von der Bundesregierung eingesetzten Kommission 30 Jahre Friedliche Revolution und Deutsche Einheit, in einem Interview und weiter, “Viele haben gedacht, das wäre eine Übergangsphase, in der Menschen aus dem ‘Westen’ kämen und beim Aufbau hülfen und es würde sich dann in den kommenden Jahren schon wieder zurechtruckeln. Das hat es aber nicht getan.”[19]

Und es ist ja wirklich nicht so, dass es keine qualifizierten und geeigneten ostdeutschen Kandidat/innen gäbe - für Positionen in Ost und West. Wer die oft verschmähten Lebensläufe nämlich mal genauer studiert, wird feststellen, dass all diese Leute sehr gut ausgebildet, innovativ, mehrsprachig, praxiserfahren, weltoffen und hungrig sind. Doch obwohl sie eigentlich seit der Wende “alles richtig gemacht haben”, wie man im Osten gerne sagt, bleibt ihnen ein nachhaltiges Tätigkeitsfeld und ein fester Wirkungsort weiterhin verwehrt. Stattdessen finden sie sich noch immer in einer schier endlosen Warteschleifen aus Praktika, Überbrückungsstipendien, “freien” Projekten, Assistenzen und zeitlich begrenzten Anstellungen wieder. Außerinstitutionelle Stimmen. Ohne Reichweite. Von den vielen prekären Jahren gezeichnet, begleitet sie zu allem Überfluss auch noch mangelndes Selbstbewusstsein sowie bei jedem kleinen Erfolg das Imposter-Syndrome.[20] Ostdeutscher Karriere-Tango: ein Schritt vor, zwei Schritte zurück.

Es erklärt sich praktisch von selbst, ohne eine lebenslange professionelle Entwicklung, bei der sich die erweiternden Kenntnisse und die wachsende Erfahrung in einer schrittweisen Verbesserung fachlicher Anerkennung und beruflicher Zugangsmöglichkeiten spiegeln, stabilisieren sich die Karrieren Ostdeutscher in der deutschen Kunst- und Fotoszene unweigerlich auf niedrigem Niveau. An dieser traurigen Realität einer sich selbst immer wieder reproduzierenden Benachteiligung von Ostdeutschen wird sich ohne ein gezieltes und starkes Eingreifen aber leider in absehbarer Zukunft nicht viel ändern. Daher kann ich den Ruf nach einer Quote gut nachvollziehen, auch wenn ich diese zwar für struktur-, nicht aber für sachdienlich halte.

Um den über die Jahre generierten Schaffensstau sowie den Frust dieser aussichtslosen Lage vielleicht besser zu veranschaulichen, hier ein (leicht hinkender) Vergleich: Man wird ja nicht müde, die unerhörten Beispiele verhinderter und zerstörter Karrieren zu DDR-Zeiten anzuklagen und in den Medien auszubreiten. Das ist auch völlig berechtigt und notwendig. Menschen, die sich nicht verbiegen wollten, zahlten oft den Preis beruflicher Sackgassen. Sie wurden nicht selten Opfer gezielter Sabotage. Aber wie sagte Ingo Schulz so treffend, “Es wird so viel über den Osten gesprochen, um über den Westen zu schweigen”[21], denn wenn wir ehrlich sind, müssen wir wohl einräumen, dass es auch nach der Wende viel zu viele verhinderte Karrieren äußerst qualifizierter Ostdeutscher gab. Und warum? Wohl nur, weil es sie durch den Zufall der Geburt an die Elbe verschlug, statt an den Rhein.

Klar, im Einzelfall kann man den Findungskommissionen und Berufungsgremien noch nicht einmal böse Absicht unterstellen (oder nachweisen). Und doch ist das statistische Endergebnis eine glasklare Sache: Wenn im Zweifel—bezüglich der Eignung und Qualifikationen—fällt die Entscheidung in der Regel gegen ostdeutsche Biografien. Und die Zweifel kommen zu schnell, zu oft und zu willkürlich. Aber diese bewusste Nichtberücksichtigung bedeutet nicht nur ein persönliches Trauma für jeden einzelnen Betroffenen, sondern verursacht vor allem auch einen gesamtgesellschaftlichen Schaden. Denn: Wer seine klügsten, kreativsten, innovativsten, kompetentesten und produktivsten Kräfte nur aus einem beschränkten Kreis von Anwärter/innen rekrutiert, limitiert das Potenzial einer ganzen Gesellschaft. Privileg tendiert somit ins Inzestuöse, mit dem Ergebnis kultureller Atrophie und der Gefahr irreparabler Fehlentwicklungen.

Und dann kommen sie alle noch mal entrüstet aufmarschiert: Mansplaining, Whitesplaining, Westsplaining. Uns wird wieder und wieder die (oft eigene) Welt erklärt. Privileg verursacht Anmaßung auf ganzer Ebene. Und fordert gleichzeitig von Anderen immerfort Anpassung und das Spielen der braven Gastrolle. Gerne werden dafür unterprivilegierte “Gruppen” auch gegeneinander ausgespielt. Deshalb braucht es unbedingt neue und breitere Koalitionen gegenüber eitler und dauerlabernder Privilegierung. Der Moment scheint nun günstig. Eine steife Brise bläst Privilegsansprüchen gerade kräftig ins Gesicht. Kommt jetzt eine Wende? Wir wünschen uns jedenfalls auch in der Fotografie eine Zukunft, die ostdeutscher und (noch) weiblicher und internationaler und farbiger und jünger und queerer—kurz—vielfältig repräsentativ wird. Nur genuine Chancengleichheit führt durch das Miteinander von Austausch, Kooperation und, ja, eben auch echtem Wettbewerb zu neuen Horizonten.

“In einer pluralistischen Gesellschaft müssen die Unterschiede zu Wort kommen,” schreibt Steffen Mau in der ZEIT, “und auch Machtfragen gestellt werden, aber nicht, indem man qua Zugehörigkeit recht bekommt, sondern durch die normative Kraft des besseren Arguments”.[22] Genau diese Debatte auf Augenhöhe fehlt aber bis heute. Dafür brauchen wir jedoch eine bedingungslose Bereitschaft im Westen, anderen Argumenten zuzuhören und, wenn besser, diese auch einzubeziehen. Wissen und Emanzipation gehen Hand in Hand und verlangen nach größtmöglichem Austausch. Die Kampf gegen Ungleichheit und Ungerechtigkeit ist nicht die Bekämpfung derer, die bisher das Gros der Privilegien auf sich vereinten, sondern eine letztendlich faire Verteilung von Zugängen, Förderung, Anerkennung und Sichtbarkeit. “Die moralische Größe und der politische Erfolg von Bewegungen gegen jede Form von Diskriminierung beruhten stets darauf, dass sich nicht allein ‘Betroffene’ zur Wehr setzten, sondern dass sich auch andere betroffen fühlten,” schreiben daher auch Daniel Cohn-Bendit und Claus Leggewie, die sich selbst als “alt, weiß, männlich, privilegiert” definieren, in der taz.[23] Sie meinen damit echte Solidarität.

Wahrscheinlich werden sich jedoch im Zuge der Pandemie die Verteilungskämpfe sowie auch die Auseinandersetzungen um Chancengleichheit und Privilegien in nächster Zukunft eher noch einmal verschärfen, es sei denn, wir begrüßen endlich die Gelegenheit und Herausforderung, das kollektive Bildgedächtnis Deutschlands zu einem zusammenwachsen zu lassen. Selektives Vergessen- oder Verdrängenwollen ist nunmal keine gute Lösung. Die Relevanz von Kunst und Wissen kann in einer pluralistischen Gesellschaft auf Dauer nicht in quasi-zentralistischer Manier beurteilt werden. Und schon gar nicht von einer Überzahl alter weißer Männer am Rhein. Der leidige Begriff von der Systemrelevanz ist ja nicht erst seit Corona ein Thema, als nun plötzlich die gesamte deutsche Kulturproduktion auf ihren gesellschaftlichen Wert geprüft und als entbehrlich eingestuft wurde, sondern wurde davor schon in der ein oder anderen Form bei den kulturinternen Diskussionen um die Emanzipations- und Partizipationsbestrebungen unterprivilegierter Bevölkerungsteile immer wieder zum Streitpunkt. ♦

Fußnoten:

[1] Siehe bspw.: https://www.freitag.de/autoren/manuela-branz/der-blinde-fleck-der-neuen-akademikerklasse

[2] Als “ostdeutsch” definiere ich für den Zweck dieses Artikels, Menschen, die zwischen 1949 und 2021 in den Gebieten der heutigen “Neuen deutschen Bundesländern” sozialisiert wurde. Nicht der Ort der Geburt ist also ausschlaggebend sondern die grundlegende soziale und kulturelle Prägung. Auch beschränkt sich die Anzahl der Ostdeutschen nicht auf die heute auf dem Gebiet der ehemaligen DDR lebenden Menschen, denn immerhin hat sich die dortige Bevölkerung seit 1989 von 16.5 auf heute 12.5 Millionen verringert; will heißen, zwei Millionen Ostdeutsche leben heute im Westen Deutschlands oder im Ausland. Man könnte nun geneigt sein, den tatsächlichen Anteil der Ostdeutschen an der Gesamtbevölkerung der Bundesrepublik (83 Millionen) klein zu rechnen, also auf 15% statt der eigentlichen 20%.

[3] Colberg, J. [2020]. A Few Fragmented Thoughts on Michael Schmidt. Conscientious Photography Magazine. https://cphmag.com/michael-schmidt/

[4] Frisch, K. [2020]. Tear Down This Invisible Wall: We Need to Talk about West German Hegemonies in German Academia. Elephant in the Lab. https://doi.org/10.5281/zenodo.4312885

[5] Probst, C. [2020]. Mechanismen der Verdrängung. Deutschlandfunk. https://www.deutschlandfunk.de/30-jahre-kulturtransfer-west-ost-mechanismen-der.1184.de.html

[6] Hierfür habe ich auf photography-now.com alle deutschen Institutionen, die auf der Online-Plattform und im Newsletter bisher Ausstellungen mit fotografischem Fokus vermelden ließen, in gelisteter Reihenfolge übernommen. Im Anschluß suchte ich im Internet anhand öffentlich zugänglicher Informationen nach den entsprechenden Leitungspersonen und deren biografischen Daten. Mittlerweile habe ich Datensätze für über 200 Institutionen, einschliesslich der wichtigsten Häuser für Fotografie und Kunst, die ich für meine Zwecke als representative sample einschätze. Wohlgemerkt, dies ist keine methodisch einwandfreie Forschungsarbeit, sondern das Zusammentragen verfügbarer Informationen—für den Zweck dieses Aufsatzes—aus Ermangelung existierender Statistiken. Leichte Abweichungen sind daher möglich, ändern aber den Verteilungen und den Tendenzen mit Sicherheit wenig.

[7] Gronert, St. [2020]. Es kommt die neue Kuratorin! Eine junge Generation erobert die Museen. Kunst / Foto / Theorie - Der Sprengel FOTO-Blog. https://www.foto-kunst-theorie.de/es-kommt-die-neue-kuratorin-eine-junge-generation-erobert-die-museen/

[8] Braun, St. [2018]. "Dieses Land wird vom Westen dominiert" — Gibt es eine Hegemonie der alten Bundesländer? Ja, sagen Intellektuelle, Wissenschaftler und Unternehmer. Und warnen vor den dramatischen Folgen. Süddeutsche Zeitung. https://www.sueddeutsche.de/politik/prominente-ostdeutsche-warnen-dieses-land-wird-vom-westen-dominiert-1.3887286

[9] siehe bspw.: https://www.tagesspiegel.de/kultur/rassismus-in-deutschland-muenchner-ex-museumschef-okwui-enwezor-ich-war-nicht-mehr-erwuenscht/22927854.html

[10] Dies deckt sich auch mit den Zahlen festangestellter Professoren und Lehrkräfte für Fotografie an deutschen Universitäten, Hochschulen, Fachhochschulen und Akademien: Hier machen Ostdeutsche 5.5% und Westdeutsche 81.3% aus. 13.2% kommen aus dem zumeist europäischen Ausland. Die Informationen entnahm ich der DGPh-Webseite (https://www.dgph.de/foto-studium) und glich sie, soweit möglich, mit öffentlich zugänglichen biografischen Informationen im Internet ab.

[11] Völzke, D. [2021]. Westdeutscher Pavillon. MONOPOL Magazin. https://www.monopol-magazin.de/deutscher-pavillon-ostdeutsche-kuenstler

[12] Liebert, J. / Immisch, T.O. [2011]. Mein Leben war Liebe und Lust. Vice Magazine. https://www.vice.com/de/article/qbn5w5/mein-leben-war-liebe-und-lust-0000017-v7n10

[13] Mau, Steffen (2020). Lütten Klein - Leben in der ostdeutschen Transformationsgesellschaft. Suhrkamp, Berlin. S. 179.

[14] Ebd.

[15] Probst, C. [2020]. Mechanismen der Verdrängung. Deutschlandfunk. https://www.deutschlandfunk.de/30-jahre-kulturtransfer-west-ost-mechanismen-der.1184.de.html

[16] Peterson, P. [2021]. The 10 Photographs That Shaped This MoMA Curator’s Career. BuzzFeed News. https://www.buzzfeednews.com/article/piapeterson/photographs-moma-sarah-meister-curator

[17] Lübbke-Tidow, M. [2021]. Fotografien sind unsere Erinnerung. Frankfurter Allgemeine Zeitung. https://www.faz.net/aktuell/feuilleton/kunst/aufgaben-eines-fotoinstituts-dessen-gruendung-noch-bevor-steht-17220752.html

[18] siehe: https://dip21.bundestag.de/dip21/btd/12/028/1202853.pdf oder https://de.wikipedia.org/wiki/Föderalismuskommission

[19] Reichel, N. [2021]. Die Dritte Generation Ostdeutschland - Ein Gespräch mit Dr. Judith Christine Enders. Demokratischer Salon. https://demokratischer-salon.de/beitrag/die-dritte-generation-ostdeutschland/

[20] Güngör, D. [2018]. Warten auf den Moment, in dem es auffliegt. ZEIT ONLINE. https://www.zeit.de/kultur/2018-07/hochstapler-syndrom-gesellschaftliche-minderheiten-psychologie

[21] Geißler, C. [2020]. Ingo Schulze: „Es wird viel über den Osten gesprochen, um über den Westen zu schweigen“. Berliner Zeitung. https://www.berliner-zeitung.de/zeitenwende/schriftsteller-ingo-schulze-wir-haben-die-macht-schnell-wieder-abgegeben-li.81417

[22] Hensel, Machowecz, Mau, Warda & Hähnig [2021]. Wer wir sind. Sind wir wer? Die ZEIT im Osten. https://www.zeit.de/amp/2021/11/identitaetspolitik-ostdeutschland-ungleichheit-diskriminierung-deutsche-einheit

[23] Cohn-Bendit & Leggewie [2021]. Nur mit Pluralität und Toleranz. taz-lab. https://taz.de/Gedanken-fuer-eine-bessere-Gesellschaft/!5754646/

 

Daniel Blochwitz, Foto: Ulrich Wüst, 2020

Daniel Blochwitz, geb. 1973 in Ilmenau, hat in den USA studiert und 2003 mit einem Master of Fine Arts in Fotografie von der University of Florida abgeschlossen. Nach dem Studium ging er auf Einladung des Whitney Museums nach New York, um das dortige postgraduierte Independent Study Program zu besuchen. 2005 begann er, für verschiedene Galerien zu arbeiten, anfänglich in New York City und später als Leiter der auf Fotografie spezialisierten Galerie Edwynn Houk in Zürich. Seit 2015 ist Blochwitz freier Kurator und betätigt sich darüber hinaus als Publizist, Dozent und Berater in Sachen Fotografie. Er lebt in Zürich.

Kommentare bitte an: redaktion@photonews.de

 

Kommentar von Dieter Zinn, Hamburg, 29. April 2021:

Vielen Dank für den interessanten Artikel mit Informationen, die mir bisher nicht bekannt waren. Sehr überrascht hat mich das Ost/West Verhältnis in Bereichen der Fotografie, Museen und Lehre. Da ist ja wirklich Veränderung und Umdenken angesagt. Der Autor verweist mit nachvollziehbaren Gründen auf Ursachen dieses Ungleichgewichtes.
Hilfreich gewesen wären Überlegungen, mit welchen Mitteln man, vor dreißig Jahren, die beschriebene Problematik hätte verhindern können. Um daraus für gegenwärtige Situationen wirksames Handeln zu ermöglichen. Auch zu dem Zitat von Jörg Colberg, dass es „eine Eingliederung Ostdeutschlands in die westdeutsche Bundesstruktur“ gab, hätte ich gerne (wenigstens) einen erhellenden Gedanken gelesen, wie es stattdessen hätte funktionieren sollen.
Doch wenn schon nicht „damals“, wäre es in der heutigen Situation, interessant vom Autor zu erfahren, welche bekannten Anstrengungen in den neuen Ländern bisher unternommen wurden, um einer „verhältniswidrigen Überrepräsentanz Westdeutscher“ entgegenzuwirken.
Ich finde es auch „sehr spannend, einen genuinen Blickwechsel auf Augenhöhe zu haben, oder gar endlich auch mal westdeutsche Fotografie aus der kritischen Distanz einer östlichen Perspektive zu betrachten“ zu sehen. Doch wer kennt und benennt die Ursachen für dieses Manko? In diesem Kontext interessiert mich auch welches Fazit der Autor daraus zieht, dass in 30 Jahren, in einer sich stetig öffnenden, globalisierenden Welt, sich keine eigenständige Entwicklung aus der „ausgebildeten und berufstätig gewordenen Generation ostdeutscher Fotoexpert/innen“ gebildet hat.
Leider fehlen mir Informationen im Text, mit welchen Parametern der Autor feststellen konnte, dass es „viel zu viele verhinderte Karrieren äußerst qualifizierter Ostdeutscher“ gab. Und wer genau diese Karrieren verhindert hat?
Behauptungen wie „persönliche Traumata“ oder dem Vergleich der heutigen Wirklichkeit in Deutschland mit „zerstörten DDR-Karrieren“ wirken auf mich polemisch. Entsprechende Fakten dazu würden dem sachlichen Anspruch des Textes sicher gerecht. Zudem wirkt der Verweis des „Elitentransfers“ auf mich sehr undifferenziert. Ich frage mich, wer genau bestimmt, was und wer mit „Elite“ gemeint ist und in welchen Kontexten diese Zuordnungen verwendet werden.
Und noch eine Anmerkung. – Niemandem ist vorzuwerfen, dass er in privilegierten Verhältnissen aufgewachsen ist. Wer von Privilegierten spricht, spricht auch von Nichtprivilegierten und teilt damit Menschen in Gruppenzugehörigkeiten ein, so dass sich ständig nur Opfer und Privilegierte gegenüberstehen. Dieses Denken verstehe ich als zutiefst illiberal und als eine der Ursachen zeitgeistiger Identitätspolitik. Man kann also selbst „privilegiert“ sein, wie viele der „alten weißen Männer“, und sich trotzdem für die einsetzen, die es schwer haben. Genau deswegen gehöre ich zu den Menschen, die den „alten weißen Männern“ zutiefst dankbar sind, für ihre Arbeit um dieses demokratische Deutschland aufzubauen mit dem Geist der Verantwortung, Freiheit und sozialen Absicherung. ♦

Kommentar von Inka Schube, Berlin/Hannover, 1. Mai 2021:

Aus der Perspektive‚ geboren 1961 in Sachsen-Anhalt, Diplom Kunstwissenschaften 1987 an der Humboldt Universität zu Berlin, bis zur Festanstellung West 2001 finanziert über Freiberuflichkeit, Arbeitslosenprogramme, Stipendien: In der gesamten DDR wurden jährlich etwa 20 - 25 Studienplätze Kunstwissenschaft vergeben, in Berlin alle zwei Jahre 18. Gemäß Planwirtschaft war nach fünf Jahren Regelstudienzeit genau diese Anzahl Stellen neu zu besetzen. Arbeitslosigkeit oder Freiberuflichkeit waren nicht vorgesehen. Tatsächlich hat unser Jahrgang eine erstaunliche „Quote“. Etwa zwei Drittel arbeiten heute in verantwortlichen Positionen – dabei galten wir aus der Perspektive der Vertreter des Staates DDR als desillusioniert, unmotiviert und unengagiert. (Quellen siehe Horst Bredekamp u.a., „In der Mitte Berlins: 200 Jahre Kunstgeschichte an der Humboldt-Universität“, Berlin, 2010) Aber „wir“ waren verstreut unterwegs zwischen Antike und Gegenwart, was der Netzwerkbildung nicht gerade förderlich ist.
Inzwischen studieren jährlich wie viele Hunderte Kunstgeschichte, Kunstwissenschaften?

Viele meines Jahrgangs sind in Berlin geblieben. Mich haben die Umstände 2001 an das Sprengel Museum Hannover geführt. Kurz nach dem Antritt der Stelle lobte mir jemand den Mut des Hauses, es mit einer Person aus dem Osten zu wagen. Jemand fragt mich, wie ich als Ostlerin habe wissen können, was ein guter oder schlechter Kinderladen sei, wo ich doch dafür keine Maßstäbe haben könne. Jemand äußerst Erstaunen darüber, dass ich trotz meiner Herkunft in der Lage sei, einen postmodern anmutenden Text zu schreiben. Jemand meint sich vergewissern zu müssen, dass ich, da ich auch amerikanische Fotografie kuratiere, ganz sicher im Westen sozialisiert sei. Jemand bedauert mitfühlend, dass ich aufgrund meines DDR-Hintergrunds keinen Glauben praktizieren würde. Jemand vergesse immer, dass ich aus dem Osten sei, da ich ja auch deutsch spreche. – Ich zitiere in dieser wirklich nur kleinen Auswahl ausschließlich Intellektuelle, die sich mindestens als liberal und weltoffen verstehen.

Möglicherweise sind nicht viele für Stellenbesetzungen Zuständige so „mutig“ wie Ulrich Krempel 2001. Die erste wirklich umfangreiche Monografie einer fotografischen Position mit DDR-Hintergrund war (wenn ich mich nicht arg täusche) 2004 unser 320-Seiten-Band zum Werk von Helga Paris (sieht man von einem zehn Jahre zuvor erschienen Band über ein Werk ab, das die DDR als so etwas wie ‚Strapse in Ruinen’ vorführte).

Man sollte denen, die über Stellen entscheiden, mehr Mut zu wünschen, auch wenn Menschen mit in anderen Kontexten gesammelten Erfahrungen nicht immer so ganz reibungslos in bestehende Strukturen passen. Denn natürlich professionalisiert sich in den alten Bundesländern jugendliches Interesse an Kunst in geschmeidig-traditionsreichen Netzwerken bürgerlichen Kulturengagements. Familiäre Hintergründe, die volle Konzentration auf das Studium inkl. Semester an hochkarätigen ausländischen Universitäten und Kontakte für den beruflichen Einstieg bieten, sind unbestreitbar vorteilhaft (zur Vermögensverteilung innerhalb Deutschlands siehe Link aus der WELT ).

Letztendlich aber ist die mangelnde Präsenz von Menschen mit DDR-Hintergrund ‚im Betrieb’ wohl ein Teilproblem eines weitaus größeren gesamtgesellschaftlichen Dilemmas. Solange nicht einmal die für den Berufsweg unabdingbaren Praktika entlohnt werden – selbst der Tarifvertrag Öffentlicher Dienst sieht dies nur für Pflege- und Sozialberufe vor – darf man sich über mangelnde Teilhabe von Menschen, die jenseits des tradierten westdeutschen Wohlstands aufwuchsen, nicht wundern. Und selbstverständlich hat dies wiederum Auswirkungen darauf, welche Art das kulturell-gesellschaftliche Gedächtnis ist, das wir in Museen und Sammlungen produzieren, und wie wir es in welchen gesellschaftlichen Diskursen als Ressource anbieten und nutzen.

Und wie ist diesem Dilemma beizukommen? Zuhören ist unabdingbar.
Und ich möchte auch einfach keine überregionalen Zeitungen mehr in die Hand nehmen müssen, in denen Themen aus den Neuen Bundesländer in gesonderten Rubriken behandelt werden (solange nicht etwa auch Süddeutschland oder Norddeutschland extra Seiten zugewiesen bekommen). Und ich möchte mich nicht mehr über den Ausdruck „ehemalige DDR“ wundern müssen: Sagt einfach DDR. Wir wissen, dass sie nicht mehr existiert, so wie es auch die Bonner Republik schon lange nicht mehr gibt.
Wenn wir das Ganze betrachten, stehen ganz oben auf der Liste unübersehbar politische Aufgaben, wie die Verringerung der frühzeitigen Segregation im Bildungssystem, die Verringerung der sozialräumlichen Segregation auf dem Wohnungsmarkt etc. Wir müssen miteinander leben wollen. ♦

Kommentar von Andreas Krase, Berlin, 11. Mai 2021:

Handelt es sich beim RB Leipzig um eine Fußballmannschaft, die für den Osten Deutschlands stehen könnte? Ja und – eindeutig nein. Der neugegründete Verein ist das Ergebnis von gewaltigen Investitionen durch einen Getränkekonzern. Und ein gefälschtes Label.

Der Beitrag von Daniel Blochwitz über Deutungshoheiten in der deutschen Fotoszene und Unterschieden zwischen Ost und West kommt unerwartet. Unerwartet auch deshalb, weil, wie im Text erwähnt, über den Osten viel geredet und über den Westen lange genug geschwiegen worden ist. Und weil es als degoutant erscheint, mehr als 30 Jahre nach dem Beitritt der DDR zur Bundesrepublik mit dem Finger auf existierenden Ungleichgewichte Ost/West im Fach Fotografie zu weisen. Ein Dilemma und im Ausmaß ein Skandal: Man hat sich eingerichtet – und so auch die Kellerkinder im recht gut ausgestatteten Keller - aber eben nicht miteinander. Ich gestehe, mich bei manchen Zitaten und Feststellungen durchaus amüsiert zu haben. Doch führt an dem Ernst des Befundes kein Weg vorbei.

Ich gehöre auch zu den irgendwie legendären Absolventenjahrgängen von Humboldtianern, die in den 1980er Jahren ihr Studium der Kunstwissenschaft in Berlin beendeten und danach ein zumeist geregeltes Berufsleben noch innerhalb der DDR beginnen konnten. Mein Jahrgang sollte im Rückblick zu den weniger erfolgreichen zählen. Die klassischen Museumsfächer und die Denkmalpflege haben aber trotz mancher Untiefen um 1989 für anhaltende Beschäftigung gesorgt – bis heute. Wir waren etwa 15 Leute im Studienjahr, Mädchen und Jungs fiftyfifty, nicht wenige stammten, den politischen Vorgaben zuwider, aus akademischen Haushalten, waren auch familiär der Kunstgeschichte verbunden. Ein elitäres Grüppchen in der Nischengesellschaft?

Mit der Fotografie, dieser "illegitimen Kunst", verhielt es sich besonders. Die Interessierten kamen aus unterschiedlichen Kreisen, einige waren auch Kommilitonen. Etwas später als im Westen begannen sich erste Strukturen zu entwickeln, staatlich geförderte und geduldete, offizielle und nichtoffizielle, die Arbeits- und Auftragsverhältnisse unständig und häufig konfliktbeladen.

Ein Generationswechsel im musealen und akademischen Bereich Fotografie der Bundesrepublik vollzieht sich in West und Ost seit längerem – dies hat noch immer mit der international erfolgenden Musealisierung der Fotografie seit Mitte der 1970er Jahre und ihren Protagonisten zu tun.

Was die Veränderungen nach 1989 im Fach Fotografie im Osten Deutschlands brisant machte, war auch der besondere Bezug der Fotografie zur jüngeren Geschichte und zur Gegenwart – mit ihr und über sie wurden stellvertretend auch politische Positionierungen verhandelt. Wegen des geringeren Grades an Institutionalisierung erledigten nicht allein schon die Evaluierungskommissionen die Arbeit des Auskehrens von Ostdeutschen. Mich erwischte es aber auch – mit nachfolgenden Warteschleifen, akademischer Qualifikation und schließlich dem Wiedereinstieg als Kustos. Hier mein selbst mitgebrachter Stuhl! - um Daniel Blochwitz zu zitieren.

Die euphemistisch "Elitentransfer" genannte Verdrängung West – Ost in den 1990er Jahren erfolgte in großer Breite, mit nachfolgender Konsolidierung in den 2000er Jahren. Nun laufen die Berufungsketten wie geschmiert und immer weiter. Sollte man nicht jeder der hochqualifizierten neuen Stelleninhaberinnen den Job gönnen? Es wird wohl noch mindestens eine Generation dauern, bis sich an der Einseitigkeit der Verteilung beruflicher Chance etwas ändert. Es war keine Wiedervereinigung, nein. Es ist schade um die unbeachteten Potentiale der etwas anderen Biografien, der anderen Blicke und Verständnisweisen, der Erfahrungen von Systembruch und kritischer Neubestimmung.

Und wer sollte sich denn kümmern? Die Staatsministerin für Kultur und Medien beruft Expertenkommissionen, die ein geplantes Bundesinstitut für Fotografie ein wenig – ja, Daniel Blochwitz – die Rheinschiene entlang schieben. Und dies scheinbar völlig abgekoppelt vom Reflektieren über Ost und West, wie sich auch am beteiligten Personal ablesen lässt. Der Ostbeauftragte der Bundesregierung ist für den Osten zuständig, aber nicht für Fotografie. Mein Arbeitsort Dresden, sehr im Osten, hat immer noch keine Lobby, weil die vorhandenen Institutionen mit Fotografie- und Medienkunstbezug zu schwach aufgestellt sind. Und der RB Leipzig spielt nur Fußball. ♦

 

Interview mit Sven Johne in MONOPOL am 22.5.21.

Passend zum Thema möchten wir hier auf ein Interview hinweisen, das mit Sven Johne (studierte Fotografie an der Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig) anlässlich seiner Ausstellung in Magdeburg geführt wurde.  Link zum Interview

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Kategorie: Nachschlag

PHOTONEWS-Forum: „Still – Leben“

Januar 29, 2021 by

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Informationen zu Aktuell

Hier finden Sie Hinweise zu aktuellen Veranstaltungen, die uns nach Redaktionsschluss erreicht haben sowie Ergänzungen (Nachschlag) zur jeweils aktuellen PHOTONEWS Ausgabe.

Nachschlag

Neu: PHOTONEWS-Forum „Selbst“

Aufzeichnung Symposium Deutscher Fotorat

PHOTONEWS-Forum: „Bett“

PHOTONEWS-Forum: „Ich – Selbst“

Broschüre „Wege in den Beruf Fotografie“

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Nach Redaktionsschluss

Broschüre „Wege in den Beruf Fotografie“

Atelierbesuche der Uni Hildesheim. Photonews-Beiträge online

Aus dem Archiv: Chronorama

Aus dem Archiv: Diskussion in Düsseldorf 2012

Festival Horizonte Zingst 2023

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Photonews-Forum "Still – Leben"

Danke an alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer für die vielschichtigen Einsendungen zum Thema "Still – Leben". Wir folgen damit dem aktuellen, Corona-geprägten Zustand des Stillstandes, der häuslichen Isolation, des Sich-Besinnens auf einfache Sujets des Alltags. Es geht also um Konstellationen von Objekten, zuhause oder draußen. Aber auch um eine Reflexion der Stille, um häusliche Besinnlichkeit, den Rückzug in die Privatheit und die Begegnung mit alltäglichen Dingen, die unter anderen Umständen womöglich nicht beachtet werden.

Foto: Ulf Wiechmann, "Comfort prohibited" aus: "Pandemic Invisibilies"

Mit Beginn der Pandemie veränderte sich das Zusammenleben der Menschen. Gerade im öffentlichen Bereich führen die notwendigen Abstandsregeln und das Social Distancing zu einer Umgehenskultur der Entfernung, Entfremdung, Berührungslosigkeit und der fehlenden Nähe. Menschen vermeiden es aus Angst vor Menschenansammlungen und Ansteckung, sich lange oder unnötig auf öffentlichen Plätzen aufzuhalten. Dadurch entstehen meist menschenleere und verwaist wirkende öffentliche Plätze wie zum Beispiel Bahnhöfe, Autobahnen, Spielplätze, Schwimmbäder, Einkaufszentren und Fußgängerzonen. Das Bild entstand an einem geschlossenen Hallenbad an der Nordsee. Mehr Bilder aus der Serie unter www.ulfwiechmann.de

 

Foto: Vera Nowotny

Raritäten in Corona-geprägten Zeiten. Eine fotografische, analoge Interpretation einer Klopapierrolle mittels einer Camera Obscura.

 

Foto: Luiza Baldan

Für einige von uns hat das Jahr 2020 eine kontemplativere Art des Lebens in unseren Häusern und in uns selbst eingeführt, zusammen mit Geräuschen und Stille, Erinnerungen und Erwartungen.

 

Foto: Marlene Hrubesch

In der Zeit im Homeoffice haben mein Mann und ich oft die Gelegenheit genutzt gemeinsam in der Mittagspause spazieren zu gehen. Dieses Bild entstand bei einem dieser Spaziergänge. Es spiegelt für mich das Leben in Zeiten der Pandemie gut wieder, da auch unser Leben sich in diesem Jahr sehr abgehackt und kompakt verpackt anfühlt.

 

Foto: Claudia Wolf

 

Wenn man so will, versinnbildlicht das "Bild ohne Bild" das Leben unter Pandemiebedingungen. Das bisher gelebte Leben (mit seiner gewohnten Struktur ) existiert seit Mitte März 2020 nicht mehr.  Für die Allermeisten geht das Leben aber zum Glück weiter.

 

Foto: Kristin Bethge

Sommer 2020. Sonne, Wasser, Stimmengewirr.  Am See sind wir auf einmal frei: Wir tauchen, schwimmen, warten, lesen, lassen uns treiben. Wir sind. Wir leben. Wir schätzen diesen Moment intensiver als je zuvor in unserem Leben. Wir wissen,  da kommt noch etwas auf uns zu, wenn es kälter wird.
Herbst 2020. Für mich ist diese Bild Ausdruck von der jetzigen Situation, mal ruhen wir, mal schreiten wir weiter, mal würden wir am liebsten untertauchen und mal flüchten wir uns in andere Welten.

 

Foto: Uta Protzmann

Schönheiten und Skurilitäten des Alltags suche und finde ich schon lange. In diesem Jahr fand ich Motive in einem Kleingarten in Berlin (wie dieses Wasserglas auf einem Marmortisch), wo ich mein Fernweh beim Buddeln und Jäten und  Kaffeetrinken in der Sonne vergessen konnte. Das Rauschen der Pappelblätter im Wind klingt fast wie das Meer.

 

Foto: Loredana Nemes

Ein feine Vielfalt von Grautönen, die sich wie atmendes Gedärm ineinander winden und ihren Platz finden in der Enge dieses Gefäßes, das meine fast pensionierte zweiäugige Rolleiflex sah.

 

Foto: Markus Ackermann

Seit einigen Monaten arbeite ich an einem Projekt unter dem Arbeitstitel „Areal", in der ich die Wirtschaftszonen deutscher Gewerbegebieten fotografiere.
Gewerbegebiete - Zonen der Wirtschaft. Infrastrukturell gut durchdacht, um die logistischen Abläufe der Vermarktung zu optimieren. Globalisierte Warenströme erreichen hier den Konsumenten. Die Gebiete, auch positivistisch als „Gewerbepark“ oder kraftvoll als „Dienstleistungszentrum“ bezeichnet, werden von den Städten und Gemeinden in ihren Bebauungsplänen festgelegt. Strukturierung, Segmentierung und Flächenversiegelung sind Stichworte, die Beschreiben, wie wir mit unserer wichtigsten Ressource, der Natur, umgehen.
In meiner Arbeit zeige ich Nebenschauplätze, Rand- und Übergangszonen der Flächen dieser Gebiete. Strukturelle Eigenschaften der Zonen und deren Bebauung und der Umgang mit Raum sind weitere Aspekte der Serie. Die Kultivierung der Natur findet in begrenzten „Grünflächen“ der Areale statt. Neue Flächen werden erschlossen. Die dabei entstehenden Brachen erscheinen oft als „Unorte“ im Prozess der Transformation.
Der Lockdown zu Beginn des Jahres ermöglichte mir Aufnahmen mit der konzeptionell beabsichtigten Abwesenheit von Menschen.

 

Foto: Georg Schreiber

Diese Fotografie entstand, als beim Anblick von Fledermäusen noch niemand an eine Virenbedrohung dachte. Lichtzauber und Schattenspiel der Silhouetten waren mir damals Anlass genug, dieses "stille Leben" zu verewigen. Anbetracht der neuen Konnotation zu "Fledermaus", scheint das ästhetische Skelett heute zurecht hermetisch im Plexiglas verschlossen zu sein. So wird dieses Stilleben zu einer Art Symbolbild für die derzeitig kursierende "kognitive Dissonanz".

 

Foto: Sönke C. Weiss

Paris im Juni 2020.
Der erste Lockdown war vorbei, ich hatte meine Tochter seit Januar nicht mehr gesehen und war froh, endlich wieder zu ihr nach Frankreich fahren zu dürfen. Die Stadt war gespenstisch leer, die Metros, sonst meist überfüllt, ebenso. Was mich überraschte, war die Disziplin der Parisien. Ich seh niemanden ohne Maske. Irgendwie rauschte aber auch alles an einem vorbei, vor allem die Gesichter, versteckt hinter Tuch. Der Rhythmus der Stadt hatte sich verändert. Was kein Terroranschlag, kein Angriff auf die Demokratie Je erreicht hat, ein fürs blosse Auge unsichtbares Virus hat die Moral eines Volkes verändert.

 

Foto: Fred Hüning, SONNENBLUMEN (nach VAN GOGH, 1888) aus dem Projekt RECOMPOSED

Die Plattenfirma Deutsche Grammophon gibt seit einigen Jahren die Reihe „Recomposed“ heraus, bei der klassische Werke durch Elektro-Musiker auf Noten-Ebene bearbeitet und dann von einem Orchester eingespielt werden – komponierte Remixe sozusagen. Seit Beginn der Pandemie war ich oft wochenlang alleine auf dem Land und habe mich – inspiriert durch dieses Musikprojekt – fotografisch mit einigen Ikonen der Malerei beschäftigt und versucht, "zeitgenössische Versionen bzw. Variationen" zu erstellen, beispielsweise von VAN GOGHs Sonnenblumen, MONETs Heuschobern, DÜRERs Rasenstück und MANETs Spargelbund.

 

Foto: Anja Kappelmeier

Die Corona-Krise hat besonders für die Kunst- und Kulturbranche fatale Auswirkungen. Denn es heißt „Vorhang zu“ für sämtliche Vorführungen, Konzerte, Filme, Theater und andere Festivitäten.

 

Foto: Margret Stolz

Zu Hause ist es tagsüber oft recht still. Die Balkontür steht auf und so mancher tierische Gast findet sich ein, dreht ein paar Runden in fliegt wieder hinaus. Einige findet man jedoch irgendwann unterm Bett oder in einer dunklen Ecke. Aus diesen ist das beigefügte Still-Leben entstanden.

 

Foto: Peter Christmann

Glücklicherweise habe ich im vergangenen Monat noch eine Fotoausstellung in einem Museum besuchen können. Das war allerdings mit strengen Regeln und Hygenienebestimmungen verbunden. 
Im Waschraum der Toilette ist dann dieses Selbstporträt unter Coronabedingungen entstanden: das Individuum eingeschlossen von Reglementierungen. Momentan herrscht ein harter Lockdown und das öffentliche Leben ist (fast) vollständig zum Erliegen gekommen. Museumsbesuche sind momentan nicht möglich. Es ist aber endlich einmal Zeit, um sich den eigenen Fotos zu widmen, diese zu sichten und zu bearbeiten.

 

Foto: Friedhelm Petrovitsch

Karl und Jakob, meine beiden Enkel, leben in Duisburg in einem geräumigen Haus mit Garten, also schon einigermaßen privilegiert. Die Eltern arbeiten in künstlerischen Berufen mit zum Teil starken Einschränkungen während der Corona-Zeit.
Sie sind mehr zuhaus als in "normalen" Zeiten. Gut für die Söhne? Einerseits schon. Doch die dauernd wechselnden einengenden Bestimmungen im Bereich Schule, Musikschule, Sport und Besuch von Freunden und Verwandten empfinden sie als nervig und lästig. Karl kompensiert den Mangel mit der Lektüre besonders dicker Bücher und dem Hören ganzer CD-Sammlungen. Jakob, bewegungshungriger, möchte lieber mit seinem Bruder kämpfen.

 

Foto: Felix Dobbert, Laika, 2020

Monatelang stecken wir schon im Home-Office, zoomen nur noch in die Welt hinaus und bleiben lieber auf Abstand. Um so mehr bildet in dieser Zeit unser Zuhause eine schützende Umgebung. Wir sind genötigt, uns dort zu verkriechen, Kontakte zu vermeiden, fahren unsere Aktivitäten herunter – wie schön wäre jetzt ein langer Winterschlaf.

 

Foto: Peter Corbishley „Isolation 1“ (2020)

In den ersten Tagen der Ausgangsbeschränkungen ging ich jeden Abend mit meinem Hund an einer Reihe kleiner Fischteiche vorbei. Die Stille und Abgeschiedenheit dort empfand ich als Spiegel meiner eigenen Situation: isoliert inmitten einer schönen Ruhe.

 

Foto: Heinz Bossert

Corona-Herbst, drinnen. Das Draußen tritt zurück. Lockdown.
Zwischen Privatheit und abgeschotteter Außenwelt drängt sich das Magische. Die eigenen vier Wände werden zu Projektionsflächen des Surrealen. Innen kehrt sich nach außen.
Dämonen überschreiten die Schwelle zum Unbewussten. Welt wird traumwandlerisch zum Spiegel meiner Phantasien.

 

Foto: Martina Wagner

Ein Wohnzimmer im bildungsbürgerlichen Stil gestaltet. Die Bewohnerin: eine Lehrerin. Erkennt man ihre Identität an der Einrichtung, weiß man die sichtbaren Spuren zu deuten? Alles scheint gediegen und kontrolliert. Hier zu sehen: ihre Tochter. Rock'n Roll Attitüde im elterlichen Wohnzimmer. Die Stehlampe wird zum imaginären Mikrofon. Die Person bricht die kontrollierte Ordnung auf und führt einen seltsamen Tanz auf, der hier wirklich nichts zu suchen hat.

 

Foto: Hans Schlimbach, Sillleben in Burano, Januar 2019

An die frische Luft! Aber nicht einfach so – Ich finde: Dieser dekorative »Stillstand« hat Stil, Form und Ausdruck. Schade nur, dass die Urheberin für einen längeren Augenblick dieses Arrangement verließ: Große Wäsche! Das Leben geht weiter ...

 

Foto: Norbert Enker

Sitzkissen und kleine Schaffelle für einen warmen Popo, gestapelt auf einer Bank im Wintergarten, ungenutzt, unbesetzt. Aber am 6. war einer da, der sah aus wie der Nikolaus und wir haben Glühwein getrunken. Das war schön.

 

Foto: Matthias Ley

Nach meiner Rückkehr nach Seoul/Südkorea im März 2020 musste ich mich für 14 Tage in Hausquarantäne begeben. Am 29.4. fotografierte ich mich selbst mit Smartphone in 12 Situationen in meiner Wohnung, im Stile einer Überwachungskamera. (Miniserie WatchingYou). Hier bin ich zu sehen, wie ich Stunden am Rechner hänge. Ironischerweise ist die gut funktionietende Corona app in Korea einer der Gründe, weshalb wir bis heute keinen Lockdown in Korea brauchten.

 

Foto: Sabine Wild

Unser Heim, das wir mit Möbeln im Wohnraum gestalten, ist unser Territorium, in dem sich unsere Beziehungsgeflechte entfalten. Gerade in den Zeiten der Coronapandemie sind wir auf unsere eigenen vier Wände zurückgeworfen.
In meiner Fotoserie werden Miniaturmöbel aus Puppenstuben zu Akteuren, zu Metaphern menschlicher Beziehungen und ihrer Verstrickungen.
Diese alten Puppenstubenmöbel mit ihren Gebrauchsspuren wecken in mir eine spielerische Lust, dieses eigentlich schwergewichtige Thema humorvoll umzusetzen und daraus ästhetisch leichte skulpturale Kompositionen im Miniaturformat zu bauen. In diesen fragilen Konstellationen zeigt sich das ständige Ringen um Gleichgewicht als Fundament zwischenmenschlicher Beziehungen. Das Ausloten und Testen der Möglichkeiten innerhalb eines gegebenen Rahmens; der Wunsch nach Verschmelzung oder nach Distanz; das Wechselspiel des Anlehnens mit dem Verlust des Gleichgewichts, die Bewegung zwischen Anpassung und Auflehnung, Überwältigung und Unterwerfung; der Versuch, Machtstrukturen aufzubrechen – aber auch die zärtliche Hingabe und leise Annäherung. All dies sind Nuancen des Beziehungsalltags.
In Analogie zu den Puppenhausmöbeln, die idealtypisch für unterschiedliche Zeiten und Regionen Deutschlands stehen, tragen Menschen ihre unterschiedliche kulturellen Kodizes und Biografien in ihre Beziehung, die sich dann oft sehr dynamisch gestalten.
Dem Betrachter bleibt die Freiheit der Interpretation. Die Kompositionen ermöglichen ein Einfühlen in die – mit äußerst einfachen Mitteln ausgedrückten – lyrischen Momente eines Beziehungsalltags.

Foto: Jens Nagels

Gesperrt! Eingang oder Ausgang, wo stehst Du?

 

Foto: Anna Thiele

Leere und Stille hat seine eigene Schönheit. Aus meiner neuen Serie 'fragments of now', die thematisiert, was in Corona-Zeiten zur kollektiven Erfahrung geworden ist.

 

Foto: Karen Stuke

Seit 1994 arbeite ich mit der Camera obscura. Da war es naheliegend, bereits in der Zeit des ersten Lockdowns im April dieses Jahres die Thematik des zu Hause Bleibens mit dieser Technik zu verarbeiten. Die Welt da draußen steht Kopf, die eigenen vier Wände bilden die Konstante.
Die teilweise unverständlichen Themen draußen sind beobachtet und teilweise dezent in den Fotografien erwähnt. Alles in der Wohnung wurde weiß verpackt, doch es geht nicht nur um den visuellen Aspekt, die Projektion des Außenraumes hervorzuheben, oder gar um das Verstecken
einzelner Gegenstände, sondern um das Hervorheben.

In Selbstisolation befindend, sitze ich jetzt wieder in der vertrauten Wohnung, die Welt draußen betrachtend. Durch die ungewohnte und doch bekannte Sehweise wird das eigene Umfeld neu entdeckt und überdacht.
Weitere Bilder der Seire #stayathome unter www.karenstuke.de

 

Foto: Bernd Mathis

Der erste Lock-down war bizarr: bedrohlich und sinnlich zugleich. Sich Zuhause aneinander gewöhnen. Ein bisschen Urlaub, ein bischen Home-Office. Sich sorgen. Darüber reden. Es wird schon. Am Morgen. Am Abend. Am Küchentisch. Wir räumten nicht mehr ab, sondern nur noch um. Zu den Mahlzeiten. Eines Tages wurde es uns zu unordentlich und wir stellten alles wieder an seinen Platz zurück.
 Und dann spürten wir die Einsamkeit!

 

Foto: Lilli Tollkien

Momente der Nähe in Zeiten sozialer Distanz.

 

Foto: Andreas Buhr

Corona hat viel verändert. Als normal und immerwährend angesehene Zustände waren nicht mehr. Quarantäne. Isolation. Orte des alltäglichen Lebens gesperrt. Nach dem Lockdown wird wieder ein bisschen Freiheit gesucht. Und manchmal findet man seinen Strand gleich um die Ecke.

 

Foto: Jörg Egerer

In Corona-Zeiten Sich-Besinnen auf das Wertvollste das es gibt: Familie und Angehörige. Während eines Spaziergangs habe ich festgestellt, dass in vielen Autos Masken liegen. Mal sind es frische, mal gebrauchte Masken. Sehr interessant zu sehen ist, wie diese Masken aufbewahrt werden: Am Innenspiegel hängend, zerknüllt auf dem Beifahrersitz oder wie hier in diesem Fahrzeug an einer gerahmten Porträtaufnahme eines lieben Familienmitgliedes. Das Bild entstand mit einem älteren iPhone.

 

Foto: Dorothea Essig

"Ohne Kultur ist es still". Dies sieht man z.B. in unserem Familienkalender, in den alle unsere Termine eingetragen werden. Auf dem Kalenderblatt kann man sehen, was alles gestrichen wurde, und was nur online stattfindet. Im "Teil-Lockdown" oder (noch schöner) "Lockdown light" finden keine Geburtstagstreffen und keine kulturellen Veranstaltungen statt. Die Termine müssen gestrichen werden. Es wird "still". Für jede Woche habe ich ein "Stille-Foto" gemacht und in den Kalender eingefügt.  Dieses entstand nach der Ankündigung der Verlängerung des "Lockdowns".

 

Foto: Uli Schaub

Abstract Face No.1 (1/8) – Menschen mit Masken und die leeren Straßen zu Beginn der Pandemie haben mich nicht interessiert. Daher bin ich von der Straße ins Studio gegangen und habe meine eigenen Charaktere kreiert (Ähnlichkeiten mit lebenden Personen sind hier rein zufällig). Diese Serie ist eine von mehreren, die in den letzten Monaten im Studio entstanden sind. – ABSTRACT FACES ist bei den  Minimalist Photography Awards 2020 mit einer Honorable Mention in der Kategorie „Abstract“ prämiert worden.

 

Foto: Bodo Runte

Alte Radios erinnern an die vermeintlich gute alte Zeit. Als Kind hörte ich mit Hilfe eines Röhrenradios Musik, die in meinem sozialen Umfeld unbekannt war. Wortbeiträge erzeugten Bilder in meinem Kopf. Diese Funktion hat das Radio auch heute für mich. Heute erreichen mich Sender aus aller Welt mit dem WLAN-Radio und verkürzen die Zeit, die durch Corona geprägt ist.

 

Foto: Joerg Barkholz

Nach dem großen Krach um Mitternacht herrscht am nächsten Morgen Ruhe. Nur stille Überbleibsel sind Zeugen der Nacht. Wahrscheinlich werden sie mir heuer fehlen die Still – Leben.

 

Foto: Andrea Wilmsen, "Die Zusammenkunft"

Corona zwingt zur Entschleunigung. Nur wie damit umgehen? An Stelle des äußeren Tempos treten innere Unruhe und Geschäftigkeit. Mit hohem Aufwand organisieren wir, was dann meist nicht stattfindet. Vor nicht all zu langer Zeit sah ich beim Vorübergehen in einer benachbarten Straße diese friedlich gastierende Spatzenfamilie. Ich hielt inne, beobachtete sie eine Weile und ihre stille Präsenz übertrug sich auf mich. Später ging mir die Frage durch den Kopf, wie viel Zeit ich mir eigentlich „in normalen Zeiten“ für solche kleinen Glücksmomente genommen habe? Viel zu wenig...

 

Foto: Kerstin Koletzki

„ATEM" - ist das Thema meiner fotografischen Erkundungen.
Tagebuchnotizen begleiten meine Motive.
Zwischen Ängsten, Verunsicherung und scheinbarer Hoffnungslosigkeit, den Blick auf das Schöne und Gute - voller Hoffnung - nicht verlieren.
Das Schöne, das eine Erschütterung hinterläßt. Ein Quäntchen, das in uns bleibt und das wir sternförmig angeordnet in einen Karton legen, den wir Gedächtnis nennen.

"Weine - träume von Libellen
die leicht auf schwebenden Blättern landen
stürze - sinke ins Wasser - ertrinke aber nicht
träume wieder
meine Mutter liegt fremd vor mir
in weissem Spitzenleinen - eine Lilie auf der Brust
alles voller Blütenstaub
Weisse Streifen durchziehen den Himmel
mein Blick in den Spiegel und Erinnerung
an eine junge Frau
sie lächelt mir zu im Vorbeigehen"

 

Foto: Annette Polzer

Der Widerschein eines Stilllebens erscheint, kurz und still, vergehend mit der Drehung der Erde. Das kurze Aufflackern einer momentanen Illusion an der Wand, die doch im nächsten Moment verschwunden ist.

 

Foto: Uwe Piper

Unterwegs für mein CORONA-Fototagebuch in Wyk auf Föhr gesehen: Mit stillem Humor trotz der schweren Zeiten für Handel und Gastronomie den Text gestalten.

 

Foto: Susanne Reichenbach

Sonntags im Sonycenter, Berlin: Ein sonst von vielen Menschen belebter Ort weist plötzlich eine ungeheure Leere auf. Vor den Restaurants sind die Tische und die Stühle hochgestellt und gestapelt, die  Geschäfte sind geschlossen. Wo noch geöffnet ist stehen Hinweisschilder, die sich auf dem Platz verlieren.

 

Foto: Monika Meyer-Schulz

VERRÄTSELT - Nach kalten Nächten und bei hoher Luftfeuchtigkeit sind unsere Fenster morgens von außen beschlagen. Dann ist die Welt draußen nicht mehr klar zu sehen, sondern wird durch unzählige Wassertröpfchen verzerrt und „vernebelt“. Das Fehlen des freien Blicks nach draußen entgegen dem Gewohnten ruft unweigerlich das Gefühl hervor, von der Außenwelt abgeschnitten zu sein. An einem Oktobermorgen jüngst kam noch etwas hinzu: Ein Spinnennetz direkt außen am Fenster wirkte wie eine weitere Barriere zwischen der Welt drinnen und derjenigen draußen, was das Gefühl des Eingeschlossenseins verstärkt hat. Geradezu symbolhaft in Zeiten der Corona-Pandemie mit ihren Einschränkungen.

 

Foto: Martin Hufnagel

Wir richten uns ein in einem stilleren Leben, in Gärten, Hinterhöfen, auf Balkonen, wenn der Bewegungsradius eingeschränkt wird. Aber etwas Sport an der frischen Luft muss sein.

 

Foto: Ulrike Schenkelberg

Womöglich schärft der eingeschränkte Radius in "Corona-Zeiten" den Blick für kleine und scheinbar unwichtige Dinge und Ereignisse? An einem verregneten Tag im Berliner Südgelände fiel mir diese kleine Blume in einem mit Plastikbeutel ausgekleideten Papierkorb auf. Wer hat sie dort hineingetan? Sie ist schön in ihrer Vergänglichkeit und zeigt sich trotzig und aufrecht noch für ein paar Stunden vor dem endgültigen Verschwinden.

 

Foto: Ute Weihmüller

Die Schaukel, die mit einem Absperrband versehen wurde, symbolisiert für mich klar ein "Still-Leben". Kinder dürfen dort nicht mehr spielen, es ist still. Das Bild entstand im ersten Lockdown im März diesen Jahres.

 

 

Foto: Christian Klaaßen

Dieses Bild ist in der Corona-Zeit entstanden, als im Sommer 2020 Hotelaufenthalte erlaubt waren. Ich hatte etwas Zeit und mir fielen diese Formen und Farben im Zimmer auf... die andere Hand löst übrigens aus 😉

 

Foto: Birgit Lemm

Leben in Corona-Zeiten als älterer Mensch ohne Angehörige. Zurückgezogen. Wie in klösterlicher Kargheit. Fast aller Kontakte beraubt. Besinnung auf "Was brauche ich wirklich zum (Über-)Leben"? Banges Fragen nach dem "Wie lange halte ich das alles durch?"

 

Foto: Christoph Starke

Universum des Zerfalls - Äpfel im fortlaufenden Verwesungsprozess
Ein Thema und gleichzeitig ein Stilleben welches die Vielfalt der fortschreitenden Veränderungen am Apfel abbildet. Temperatur, Witterung, Feuchtigkeit, Lagerung, Apfelsorten und Pflege haben Einfluß auf die unendlichen Erscheinungsformen wie Oberflächenbeschaffenheiten, Zersetzungsformen, Pilzbefall und Farben. Gleichzeitig erinnern die Formen und Oberflächen sowohl an Planeten aber auch an Sporen oder auch Viren.

 

Foto: Hinnerk Holst

Kurz nach dem Tod meiner Eltern habe ich ihr Haus nochmal mit der Kamera "verabschiedet". In diesem Bild zeigt sich Vergangenes und die Stille nach dem Leben.

 

Foto: Michael Wölfel

Mein Bild zeigt wohl den Klassiker unter den Stillleben:  Eine Blumenvase, die trotz des abgelaufenen Filmes in einer einfachen Kompaktkamera ohne Farben auskommt und mich auch durch den verschachtelten Hintergrund im verlassenen
Ladenlokal und durch ihre unkapriziöse Erscheinung fasziniert.

 

Foto: Margit Bassler

Still-Leben Frühsommer 2020
Um die Kultur in Hamburg ist es nicht nur still, sondern auch leer geworden …
doch halt: ein Kopf, ein Gesicht, eine Katze und fliehendes Getier  … es könnte eine Geschichte draus werden.

 

Foto: Lisa Frechen

Ja, mein Leben ist stiller geworden, das Lächeln der Passanten verschleiert, auf langen Spaziergängen oft alleine, die Nähe fehlt … Dann genieße ich die Natur, und das mehr als je zuvor. Mal ohne Maske über Felder streifen. Der Sonne danken. Und mit meinen Sehnsüchten den Wolken folgen.

 

Foto: Werner Mansholt

Mein Freund, der Jazz-Bassist Jürgen Wuchner - u.a. Hessischer Jazz-Preisträger -  feierte vor 2 Jahren seinen 70. Geburtstag mit einer Band aus Musikerfreunden in einem wunderbaren Konzert. In der Pause entstand dieses STILL LEBEN seines Instruments auf der Bühne.  Plötzlich und unerwartet verstarb er mitten im Corona-Lockdown am 1. Mai 2020.
Für mich klingt jedoch beim Betrachten des Bildes immer noch seine Musik nach…

 

Das achte Thema lautet: ICH SELBST
Wieder ein Thema, das der aktuellen Situation angepasst ist. Selbstportraits, visuelle Auseinandersetzungen mit der eigenen Person sind auch weitgehend isoliert möglich. Und wer weiß, vielleicht haben die letzten Monate hier sogar Produktionen provoziert. Denkbar sind auch Motive, die mit der eigenen Person zu tun haben, diese aber nicht direkt zeigen. Wir sind gespannt!

Wie bei den früheren Runden: bitte nur ein Bild (300 dpi, ca 14 cm breit) und Text per E-Mail an redaktion@photonews.de senden.

Einsendeschluss (für das Heft 4/2021) ist der 1. März 2021

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Photonews-Film: Atelierbesuch bei Klaus Elle

Januar 28, 2021 by

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Film: Atelierbesuch bei Klaus Elle

„Meine Haltung passte nicht in das ästhetische Klima.“
Ergänzend zu unserem Interview mit Klaus Elle in PHOTONEWS Februar 2021 bieten wir mit diesem Film vertiefende Einblicke in das faszinierende Werk von Klaus Elle. Der Film entstand Anfang 2021 in Elles Atelier in Hamburg-Harburg.

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PHOTONEWS-Forum: „Das Glück auf Rädern?“

Oktober 27, 2020 by

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Photonews-Forum "Das Glück auf Rädern?

Dieses ­Forum macht uns wirklich Spaß, weil immer wieder Unerwartetes in der Redaktion ankommt. Danke an alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer!

Foto: Werner Mansholt

Das Bild entstand in Neapel im heißen August 2017. Der viele Verkehr  an einer Straßeneinmündung regte mich zu einer Serie von Bildern an, wo ich in mehreren Nächten fotografierte. Ich musste mich immer zwischen den Fahrzeugen hindurch auf der Straße bewegen, um an die Scooter heran zu kommen. Einmal wurde ich von einer Motorradstreife der Polizei angehalten, die mich fragte was ich da mache; als ich erklärte, ich sei ein „Artista di Germania“, lachten sie. Das Foto ist Teil meines Buchs „ODD TALES“, 2019, Verlag 89books, Palermo.

 

Foto: Frauke Langguth

Früher hatte der Hut einen festen Platz im Fahrzeug: auf der Hutablage im Fond. Damals kutschiere Papa noch seinen Opel Kapitän und fühlte sich als Herr der Landstraße. Mutti saß natürlich nur auf dem Beifahrersitz und die Kinder spielten ohne Anschnallgurte frei auf der Hinterbank.
Der goldene Hut wirkt wie eine Reminiszenz an das vergangene Jahrhundert, als Autofahren noch ein Symbol für Freiheit, Abenteuer und Wohlstand war. Vielleicht ist es auch nur ein Ausrufezeichen: ich bin kein Spießer. Lassen Sie mich durch, ich bin auf dem Weg zu einem Techno-Festival.
Aus der Serie: Automobile - the Last Decade

 

Foto: Kathrin Wahrendorff

Die alte Dame ist eine der ersten Pathologinnen und Rechtsmedizinerinnen nach dem Zweiten Weltkrieg. Eine medizinisch und auch medizinisch-technisch interessierte Persönlichkeit. Als Frau der damaligen Zeit außergewöhnlich und erfolgreich.
Im Alter wurde sie schwer krank und ihr Bein musste amputiert werden.
Am medizinisch-technischen Bereich war sie immer noch sehr interessiert und auf dem Laufenden. Da sie ihre persönliche und individuelle Mobilität verloren hatte, lag ihr ganzes Interesse bei einer großen Beinprothese. Ständig auf den Rollstuhl angewiesen zu sein war für sie eine Zumutung.
Das von ihr selbst gesteuerte und bewegte, künstliche Bein war zwar eine anstrengende und in ihrem Alter fast nicht zu bewältigende Herausforderung. Sie lernte und übte eisern. Doch mit dem Gleichgewicht und synchronisieren von Elektroden und ihrem Stumpf war sie sehr überfordert.
Um das zu dokumentieren lud sie mich in ihre Wohnung in einer Seniorenresidenz ein. Ich durfte sie in ihrem neuen zu Hause und ihrer neuen individuellen Mobilität mit der Kamera begleiten. Sie ahnte aber schon, dass sie das Laufen mit dieser neuen Beinprothese nicht mehr perfekt erlernen würde. Es änderte sich wieder stark etwas in ihrer Mobilität. Keine Fortbewegung mit den Beinen, sondern auf Rädern. Sie musste auf den verhassten Rollstuhl umsteigen. Sie verstarb recht bald.

 

Foto: Klaus Marcinczak

Das Foto dieses Paares entstand in Havanna. Vermutlich ist es auf Kuba ein Glück, ein altes, aber funktionsfähiges sowjetisches Motorrad mit Sidecar zu besitzen. Glücklich gucken die Beiden zwar nicht, aber genau der Gesichtsausdruck und die Aufmachung ließen mich auf den Auslöser drücken.

 

Foto: Andreas Odersky

„Chaostheorie“. Aus Liebe zu den Autos. Paris, Blick hinab vom Arc de Triomphe de l’Étoile.

 

Foto: Ludger Müller

Die sportliche Höchstleistung, das Glück des Siegers/der Siegerin, werden allgemein als Krönung jeder Fortbewegungsmöglichkeit des Menschen angesehen. Beim Rad ist es sicherlich die Tour de France. Die Medien setzen das Ereignis in spektakuläre Bilder um. Aber alle umjubelten Sportgroßereignisse haben hinter, neben und in der glatten, glänzenden Fassade Brüche.
So auch 2016, als ich vom TV-Bildschirm abfotografierte, wie dichte Regenwolken die Satellitenübertragung störten. Das TV-Bild von einer abgehängten Verfolgergruppe bei einem Berganstieg stockte. Die digitale Technik verzerrte eigenständig das übertragene Bild zu etwas Zuckendem, Verpixeltem, Virtuellem, als wäre dem Zuschauer für einen Moment der Blick auf das Brüchige hinter der glänzenden Fassade der Tour gewährt worden.

 

Foto: Markus Hoffmann

Was mich zu dieser Aufnahme bewegt hat, ist der Kontrast der tristen Umgebung zu dem kleinen, freundlichen Wohnwagen, der mir als Betrachter die Rückmeldung gibt, bereits zahlreiche Geschichten erlebt zu haben und hinter verschlossenen Gardinen für sich zu behalten.

 

Foto: J. Jabs

Als passionierter Radfahrer und Fotoamateur habe ich für das kommende Jahr einen Kalender im Eigenverlag zum Thema "Fahrräder in meinem Kiez" erarbeitet. Auf 53 Wochenblättern sind jeweils vier oder sechs Fahrräder zu sehen, die man auch als einzelne Postkarten (insgesamt 304 Exemplare) verwenden kann. Dieses Motiv ist eine Beispielseite des Jahresweisers für 2021 und passt augenzwinkernd zum Thema "Das Glück auf Rädern?".

 

Foto: Klaas Dierks

Tor zum Glück.

 

Foto: Uli Schaub

After a long trip with his bike he took the tram back home. Somewhere in Germany.

 

Foto: Loredana Nemes

Die feine seifengroße Olympus Mju im herrlich geräumigen Volvo S70 des schwedischen Schwiegervaters. Kein besonderer Tag, lang wie alle anderen im Sommer des Nordens und still. Und dann diese kleine Entdeckung und das Portrait eines Paares, das keins mehr ist. Memoria und Bewegung. Das Leben eben.

 

Foto: Stefan Volk

Bei "Glück auf Rädern" musste ich sofort an mein Foto eines Zuchtebers im Mopedanhänger denken. Das Bild entstand während einer Reportage für die Brigitte in der vietnamesischen Ha Nam Provinz.

 

Foto: Roland Quester

Ghost Bikes, weißgestrichene Fahrräder, stehen vielerorts dort, wo Radfahrende durch den Kraftfahrzeugverkehr zu Tode gekommen sind. Besonders oft, etwa ein Drittel der jährlich im Straßenverkehr getöteten Radfahrenden, wenn rechtsabbiegende LKW-Lenker einen neben ihnen fahrenden Menschen auf dem Rad nicht gesehen haben. Trotzdem sind europaweit erst ab 2022 Abbiegeassistenzsysteme für LKWs und Busse vorgeschrieben – aber nur für dann neue Fahrzeugtypen. Ab 2024 erst für alle neuen LKW und Busse. Und die Bestandsfahrzeuge? Das Glück auf Rädern wird leider noch viel zu oft ein unfassbares Unglück.

 

Foto: Matthias Weber

Auf sein Rad gestützt, steht er über den Dingen, die die Welt verändern. Bodenständigkeit erlangt hier wieder seinen ursprünglichen Sinn, als wollten uns die längst entschleunigten Radler sagen: Steig mal ab, halte inne, besinne dich, hier ist kein besinnungsloser, großstädtischer Geschwindigkeitsjunkie und Fußgängerhasser unterwegs. Lausche dem Fluß der Zeit, deren scheinbare Rasanz manchen berauscht und viele überrollt. Dabei ist das Fahrrad nicht nur personenbeförderndes Fahrzeug. Es wird geschickt und klug, wenn auch nicht immer im Sinne einer Straßenverkehrsordnung, ordentlich bepackt und ist somit als Drahtesel einem der ältesten und bewährtesten Transportmittel der Menschheitsgeschichte näher als das zerstörerische Auto.

 

Foto: Peter Christmann

Der Tanz um das goldene Kalb Auto. Die heilige Kuh, die nicht geschlachtet werden darf. Göttlich und glücklich, wer sich darin befindet wie in einem rollenden Sarkophag, welcher der Selbstbewegung, Selbstermächtigung und Freiheit dient. Phallische Körpererweiterung, Motorenpotenz, Fetisch und Religion, ein mobiles Wohnzimmer und damit deutlich mehr als ein Transportmittel, um von A nach B zu gelangen. Für keinen anderen Gegenstand wird derart viel Geld ausgegeben, keinem anderen wird so viel Aufmerksamkeit geschenkt, kaum ein anderer wird derart angebetet. „Dass ich erkenne, was die Welt im Innersten zusammenhält“ wünscht sich Faust am Beginn der gleichnamigen Tragödie. Es ist, wie es scheint und bevorzugt in den Industrieländern, das Automobil und die damit verbundene Lust am Fahren, an der Freiheit und der Liebe zum Vorzeigeobjekt.
Und Janis Joplin sang einst mit heiserer Stimme: „Oh lord won't you buy me a Mercedes Benz. My friends all drive porsches, I must make amends...“
Warum also nicht Jesus für dieses „Glück auf Rädern“ seine Dankbarkeit – in silbernen Versalien und auf der edlen Karosse angebracht – erweisen?

 

Foto: Andreas Kremer

Vietnam, Ho Chi Minh City, 2019. In vermutlich keinem anderen Land der Erde gehört der Roller zur Grundausstattung jeder Familie, noch vor der festen Wohnung. Die „gute Stube“, so sie denn existiert, ist grundsätzlich auch Garage für den wichtigsten Besitz, den Roller. Lange bevor uns aus Amerika McDonalds und Co erreicht haben, existierten „Roller-drive-in-Geschäfte“ für alle täglichen Besorgungen. Aus westlicher Sicht regiert auf den Straßen das völlige Chaos ohne erkennbare Regeln. Nur merkwürdig, dass es kaum zu Unfällen kommt…
Die Aufnahme entstand im Rahmen einer Foto-Dokumentation zum Thema „Home in Ho Chi Minh City 2019“.

 

Foto: Beate-Helena Wehrle

Einen echten "Spritfresser" heutzutage noch lieben zu können, fällt zunehmend schwer angesichts der steigenden Anzahl der Autos, der damit verbundenen Staus und Unfälle auf den Straßen sowie den Luftschadstoffen, die unsere Umwelt und Gesundheit gefährden. Da bedarf es zuweilen vielleicht nur
noch eines solch kleinen auf dem Foto dokumentierten Anlasses, um sich schließlich leichten Herzens vom "beschissenen Auto" zu trennen und auf das Fahrrad und öffentliche Verkehrsmittel umzusteigen – den Vögeln und ihrem unermüdlichen Einsatz sei es gedankt!

 

eingereicht von: Hendrik Faure / Nachlass Hermann Roselieb

Scan eines 6x9 cm Nitrozellulose- Negativs, aufgenommen in Reiffenhausen, Datum unbekannt.
 Aus dem Nachlass Hermann Roselieb (1914-1972) mit freundlicher Genehmigung der Familie.
Den Ziegenkarren hat der Vater des Photographen, Friedrich Roselieb (1884-1962), Tischler und Stellmacher, gebaut.
 Hermann Roselieb hat seine Bilder meist selbst entwickelt, man erkennt hier auch (wahrscheinlich) seine Fingerabdrücke.
Der Nachlass umfasst mehrere Hundert Glasplatten-Negative, darunter zahlreiche Portraitaufnahmen (für Wehrmachtspässe) sowie Alltags- und Festzenen. Bekannt geworden ist der Photograph nur im Dorf.

 

Foto: Martin von den Driesch

Teheran, 27.05.2009
Kurz vor den Präsidentschaftswahlen 2009 bin ich für 10 Tage nach Teheran geflogen, um einen Freund zu besuchen und um Stadt, Land und Menschen zu porträtieren. Besonders fasziniert hat mich die riesige Anzahl an Motorrädern, die sich vor allem bei roten Ampeln an den Kreuzungen einfanden. So habe ich mich jeden Tag sicherlich 1 oder 2 Stunden nur zum Motorrad-Fotografieren an Kreuzungen aufgestellt.
Kurz nachdem ich dieses Foto aufgenommen habe, wurde ich von der Polizei gestoppt, natürlich auf Motorrad: was ich hier mache? Ich musste mich unfreiwillig auf eines der Motorräder setzen, und es folgte ein Höllenritt quer durch die Stadt. Später durfte ich auch mit meinem Freund telefonieren und das Problem klärte sich auf: An besagter Kreuzung befand sich im Hintergrund ein Ministerium, mit Fotoverbot. Ich konnte aber glaubhaft darstellen, dass ich kein Spion bin (dank Hunderter Motorrad-Bilder auf der Speicherkarte) und durfte die Polizeiwache bald darauf verlassen.

 

Foto: Birgit Lemm

In dieser Autowerkstatt schützt ein Sammler seine wertvollen Oldtimer-Schätze mit Decken und Laken vor Sonnenlicht und Staub. Was ihm lieb und teuer ist, bleibt so neugierigen Blicken verborgen. Nur die Silhouetten und die originalgetreuen Weißwandreifen lassen erahnen, um welche Fabrikate es sich bei den historischen Fahrzeugen handeln könnte.

 

Foto: Heidi Siedka-Bauer

Glück auf vier Rädern auf dem Malecón, der berühmten Uferpromenade in Havanna.
Seit den 50er Jahren war der Import und der Handel mit Autos in Kuba verboten. Zurück blieben nach der Revolution die amerikanischen Autos und es war weiterhin erlaubt, diese zu besitzen und zu handeln, wenn sie vor 1959 gebaut worden waren. In der Folge wurde das sozialistische Kuba zum Paradies für Oldtimer. Um die alten US-Schlitten zu erhalten, wurden sie mit viel Phantasie und Einfallsreichtum repariert und restauriert. Nutzfahrzeuge in der Vergangenheit, dienen sie den Kubanern heute auch als wertvolle Einnahmequelle, wenn sie Touristen in ihren alten Straßenkreuzern auf eine Zeitreise mitnehmen. Die Anzahl der Oldtimer auf den Straßen wird sinken, nachdem der Erwerb neuer Autos möglich ist, doch die Bevölkerung wird sich das selten leisten können. Also werden die alten Autos weiter gefahren, solange es geht. Das Gute ist, dass man sie reparieren kann, solange man die richtigen Ersatzteile findet oder basteln kann.

 

Foto: Wolf Böwig

Balkan 1993/2019. Wer leidet, blickt auch zurück. Doch auf sich selbst zurückgeworfen, kann man im Vergangenen nur ankern. In den heißen Räumen von Konflikten und Krisen wird Zeit gestaut und geschmolzen. Gründe verstummen. Was dafür gehalten wird, übertönt alles andere. Krieg stößt Menschen auch noch aus jener Geschichte aus, als deren Teil sie verletzt werden. Ihre eigenen Erfahrungen bleiben gleichwohl verwoben mit den Generationen zuvor. Ohnmacht, Schicksal, Spielball, immer wieder dieses Gefühl: Im Südsudan ringen die ehedem Versklavten um ihre Unabhängigkeit, bevor sie in einem Bürgerkrieg über sich herfallen. Der südöstliche Balkan ist voller Episoden von Entwurzelten, die ihre Heimat für den nationalen Gedanken aufgeben mussten. Wie so oft: Im Kampf um die Freiheit ist sie selbst nicht gefunden worden. Oder sie erstarrt im grellen Blitzlicht alter Verwundungen. Gewalt gemeinsam zu erleben, zerstört jedes Vertrauen, das eigene Leben gestalten zu können. Ihre Folgen schwären. Staaten scheitern, wenn nicht alle wissen: Warum?

 

Foto: Vera Nowottny

Analoge Camera Obscura Aufnahme aus meinem Projekt GUSARMALO, entstanden in einem kleinen Ort in Panama,
einem Ort der lediglich über das Meer erreichbar ist und in dem es keine Autos, keine Fahrräder gibt, aber jede Menge Plastikmüll.

 

Foto: Sönke C. Weiss

Das Moped, in Uganda Bodaboda genannt, ist aus dem ostafrikanischen Land nicht wegzudenken. Es dient als Taxi, als Transportmittel für Lasten und gewährleistet eine Mobilität, die die Menschen sonst nicht hätten. Autos sind zu teuer, Busse meist nicht verlässlich. Doch das Moped kann jeder Schrauber selbst reparieren, es kommt aus China und ist kaum totzukriegen. Die meisten Fahrer, sie selbst heißen ebenfalls Bodaboda, leihen sich die Zweiräder; die Miete beträgt zwischen umgerechnet fünf und 15 Euro täglich. Für eine Kurzstrecke nimmt ein Bodaboda ca. 1.000 Uganda Schilling, das sind etwa 25 Cent. Preise variieren dann nach Länge und Last. Nichtsdestotrotz muß ein Bodaboda ziemlich viele Fuhren pro Tag leisten, um die Miete zahlen zu können. Und damit das Moped auch wirklich lange hält, pflegt sein Fahrer es so gut er kann. Schließlich ist das Bodaboda seine Lebensgrundlage und die seiner Familie.

 

Foto: Rolf Wehrle

Die Aufnahme zeigt die Bewegung eines Automobils und seiner Insassen, hier am Ofenpass. Bewegung zwischen zwei Lebensräumen, zwei Talschaften, zwischen zwei Sprachen; und die Flüchtigkeit der Bewegung, wenige Sekunden für den Wechsel, das Hineinfahren in die andere Region. Die Form des Fahrzeuges lässt sich nur erahnen, der Zweck der Fahrt bleibt offen. Im Kontrast dazu die Berglandschaft, den Gesetzen der Geologie und Geomorphologie gehorchend, mit einem unvergleichbar langsameren Wandel in Zustand und Aussehen, meist für ein Menschenleben unerkennbar.

 

Foto: Christian Klaaßen

Fast schon hinter einer Häuserecke verschwunden, erfasste ich noch im Augenwinkel diese Farbexplosion. Was war denn da passiert? Der Wagen hatte es definitiv hinter sich!
Jahre später verschlug es mich nochmals in die Altstadt von Sevilla, dann war die Fläche geräumt und die Wand wieder weiß...

 

Foto: Stefan Krebs

In Stuttgart-Zuffenhausen wird – umgeben von den eigenen Produktionshallen – dem Mythos Porsche und Fetisch Automobil ein ganzes Museum mit vielen legendären Boliden des schwäbischen Traditionsherstellers gewidmet. Dort findet man eine Mischung aus Mythos, Leidenschaft, Geschwindigkeitsrausch, Ingenieurskunst, Perfektion, Detailversessenheit, Begeisterung und Faszination, Eitelkeit, Geltungssucht, Statussymbol, Protzerei. Direkt vor dem Museum, mitten auf einem großen Kreisel, wird sowohl die Corporate Identity zur Schau gestellt als auch die grenzenlose Freiheit, die ein Bolide aus der Zuffenhausener Automobilschmiede symbolisieren soll und die ein Besitzer mit dem Kauf erwirbt?

 

Foto: Alexander Riffler

"Schattenseite" ist eine Aufnahme mit einer Camera Obscura.
Dunkles wird auf diesen Aufnahmen hell und helles wird dunkel. Auch die Seiten verkehren sich. Damit bietet die Camera Obscura einen ganz eigenen Blick auf das Auto und seinen Standort.

 

 

Foto: Otto Danwerth

Radschatten. Selbstporträt mit Vehikel bei Fahrradtour durch den Grüngürtel, der Frankfurt am Main umrundet. Mit dabei ist immer eine analoge Kompaktkamera, hier meine Olympus mju ii (2.8/35 mm). Das Bild zeigt, was Karl Kraus angeblich schon vor 100 Jahren ahnte: Wenn die Sonne nur tief genug steht, werfen auch kleine Radler lange Schatten.

 

Foto: Marlene Hrubesch

Das Foto entstand in Polen im Jahr 2006. Die drei Buchstaben "ONA" im Kennzeichen bedeuten übersetzt "Sie".

 

Foto: Kai-Uwe Gundlach

Aus der Serie „The One On The Right Is On The Left“  nach dem gleichnamigen Song von Johnny Cash aus dem Jahre 1966.
Zwischen 2005 und 2017 bin ich recht oft in den USA gewesen und dort entstanden jede Menge Aufnahmen, die ich teilweise als Collagen bearbeitet habe. Die Liebe der Amerikaner zu ihren Autos ist oft Bestandteil dieser Serie.

 

Foto: Michael Haag

Was ist mit dem Glück, wenn der TÜV endgültig nein gesagt hat? Zahlreiche Autos fahren dann in Ländern weiter, in denen sich kein TÜV weiter einmischt. Und wenn schließlich gar nichts mehr geht? Ein Hotelier in Jordanien weiß: es gibt auch dann noch ein Leben vor dem Autofriedhof.

 

Foto: Günter Schmidt

Selbst starke Männer werden schwach, wenn sie ein tolles Auto sehen. Das Auto ist eben nicht nur ein Gebrauchsgegenstand um mobil zu sein, sondern auch ein Statement der Lebenseinstellung und ein Statussymbol.
 Oft ist das, was an einem Auto fasziniert rational nicht zu erklären und beeinflusst Entscheidungen gegen besseres Wissen. Aufgenommen auf der IAA in Frankfurt.

 

Foto: Bernd Mathis

In Armenien, außerhalb der Hauptstadt Jerewan, bedeutet Stilstand bereits Hoffnung. Hier, auf der Araratebene bei Armavir nahe der türkischen Grenze hört jede Geschwindigkeit auf. Wolken bewegen sich, Sandkörner auch, wenn der Wind von den Bergen kommt. Wer das Land verlässt, nimmt nur die Erinnerungen mit.

 

Foto: Christoph Eberle

Das Glück auf Rädern – komprimiert und in Coronazeiten aktueller denn je: Die eigenen vier Wände, gerne auch auf Reisen.

 

Foto: Thomas Kläber

Glück und Unglück liegen oft dicht beieinander. Bei der Recherche für ein Buchprojekt habe ich mein Archiv erneut durchforstet. Mit zeitlichem Abstand ändert sich manchmal die Wertung einzelner Bilder. Mein früherer Favorit musste einem anderen Motiv weichen, das die Situation beim Teichfahren trefflicher beschreibt. Der „abgetauchte“ Fahrer liefert dem mitfühlenden Publikum einen Höhepunkt, auf den alle heimlich warteten.
Die Aufnahme habe ich vor vierzig (!) Jahren, 1979, in Erarbeitung meiner Diplomarbeit an der HGB Leipzig (Landleben – Bilder aus meinem Dorf) gemacht. Verdammt lang her aber ich denke immer noch ganz ordentlich?

 

Foto: Susanne Görtz

Seit 2015 fotografiere ich diese bizarren Skulpturen am Gehwegrand: Motorräder unter Planen – lose, unförmig verhüllt oder verschnürt à la Christo. Weitere Bilder der Serie „under_cover“ unter goertz-fotografie.de.

 

Foto: Marcus-Andreas Mohr

Ich durfte in der Vergangenheit die ersten Seifenkistenrennen von Halle (Saale) fotodokumentieren.
Dabei konnte ich viele spannende Momente mit der Kamera festhalten, die »das Glück auf einer ganz besonderen Form von Rädern« zeigen.

 

Foto: Andreas Buhr

Da das Automobil in der Stadt immer mehr zum Autostabil wird, strahlen die Fahrer dergleichen selten Glück aus. Doch fährst Du mit dem Fiaker durch die Wiener Innenstadt, vorbei an historischen Gebäuden, den wienerischen Anekdoten des Fiakerfahrers lauschend, dann findest Du es noch, das Glück auf Rädern!

 

Foto: Volker Frenzel

Er kämpft tapfer, der Polizist, jeden Tag, vor allem am Abend.
Er kämpft gegen den Kollaps, versucht alles am Laufen zu halten. Trotzdem, zu Fuß sind wir schneller. Aus der Arbeit "Mobilität".

 

Foto: Martin Hufnagel

Diese Glück auf Rädern ist Vergangenheit. Zu sehen ist ein ausgebrannte Auto, fotografiert auf einem abgelegenen Parkplatz im Elsaß. Neben dem ästhetisch sehr reizvollen Motiv stellen sich angesichts des Desasters Fragen: Liegt hier ein Verbrechen vor? Ein Unfall? Was auch immer - der Verfall zeigt auch hier seine reizvollen Seiten.

 

Foto: Alex Spichale

Strassenszene mit Mädchen auf Trottinett, Varadero, Kuba, 1996.
Das ist für Kuba ein zeitloses Bild, das heute noch ähnlich gelingen könnte. Das Mädchen kühlt sich wohl mit dem Fahrtwind ab; der Chevrolet-Besitzer hofft auf neue Pneus.

 

Foto: Friedhelm Petrovitsch

Man war sehr misstrauisch, als ich auf einem Schrottplatz fotografieren wollte. War ich ein Schnüffler, der Umweltschäden ausspionierte? Ich musste mehrfach versichern, dass mir der Zivilisationsmüll wie eine fotografische Schatzkammer vorkäme.
Bei laufendem Betrieb ließ man mich sowieso nicht auf´s Gelände. Viel zu gefährlich. Also nur Zutritt nach Feierabend und mit Schutzhelm. Nachdem ich dem Betriebsleiter einige  – damals noch analog erstellte Fotos – zeigte, bat er um Prints für sein Büro und als Weihnachtspräsente für Geschäftskunden.

 

Foto: Michael Schwarzer

Kiss my cruze Frankfurt IAA 2009  – Weltrekordversuch im Autodauerküssen. Die Siegerin erhielt nach 36 Stunden Dauerküssen das Auto und einen Eintrag im Guinness Buch.

 

Foto: Gabriele Kuhlewind

Zwei Jurten, zwei Milchkannen, davor geparkt ein Motorrad und – wind- und sandgeschützt – ein Jeep. 
Fahrzeuge, die in ganz besonderem Maße Glück bedeuten, wenn man in der Wüste (Gobi) lebt.

 

Foto: Gebhard Krewitt

'Detlef', Nelson, NZ, 2017.
Das Auto ist ein Massenprodukt – doch der Käufer, der Fahrer will Individualität! Autos werden nicht zuletzt wegen ihres Designs gekauft. Doch längst reicht nicht mehr nur eine attraktive Blechhülle. In Neuseeland gibt es pro Kopf der Bevölkerung unwesentlich weniger Autos als in Deutschland. Doch bei 2,5 Millionen Fahrzeugen reichen die maximal 6 Zeichen auf dem Nummernschild und etwas Fantasie aus, um
Außen an das Auto zu schreiben, wer innen am Steuer sitzt: Detlef.

 

Foto: Peter Höllbacher

Motorrad & Yoga.
120.000 km - fast 2 Jahre - mit unseren Motorädern unterwegs, einmal rund um die Welt. Während einer langen Tagesetappe im Norden Australiens, hielt meine Freundin plötzlich an und sagte: ich brauche jetzt ein wenig Entspannung....
Ich habe den Moment festgehalten.

Foto: Thomas Scharfstädt

Wer immer die farbliche Gestaltung der Bauten am Viehofer Platz in Essen geplant hat, hatte eine Vorliebe für starke Kontraste. Diese werden durch Graffiti und die ständig wechselnden Muster der stauenden Autos verstärkt. Ob Piet Mondrian bei seinen abstrakten Kompositionen an so etwas gedacht hat? Mir drängte sich der Vergleich bei dieser Entdeckung in Essen förmlich auf.

 

Foto: Kay Michalak / Sven Voelker

Die automobile Unterseite ist ein unbekannter Ort, was möglicherweise einfach daran liegt, dass Autos im Gegensatz zu anderen Produkten unseres Alltags selten umgedreht werden. So kommt es auch, dass sich der Unterboden des Fahrzeugs über so lange Zeit seine industrielle Ästhetik bewahren konnte und anders als der Rest nicht oder zumindest nach anderen Kriterien gestaltet wird. „Auto Reverse“ ist eine fotografische Untersuchung dieser dunklen Fläche, die im Gegensatz zu den fünf anderen Seiten des Autowürfels nicht von Designteams entlang markenstrategischer Überlegungen aufwändig geformt werden. Kay Michalak und Sven Voelker haben dieser Fläche eine Serie großformatiger Fotografien gewidmet. Das Überraschende daran ist nicht nur die Ingenieur-Ästhetik und die Unterschiedlichkeit der verschiedenen Varianten und Modelle sondern auch der große Kontrast zur polierten und gepflegten Oberseite.
Abbildung: Auto Reverse #1, Citroën 2 CV 6, 1968, 52.782 km

 

Foto: Barbara Freitag

Ein Radfahrer möchte auf seinem Rad fahren – aber bei dieser Strandpassage des Rennens war das nicht mehr möglich. Runde für Runde mussten die Teilnehmer hier absteigen – egal!
 Wie gut, wenn es immer Zuschauer mit den richtigen Tipps gibt.

 

Foto: Christoph Busse

„Donuts“ nennt man (in Fachkreisen 😉 das Driften eines (hinterradgetriebenen) Autos mit Fuß auf dem Bremspedal im Kreis. Dabei entstehen nicht nur fiese quitschende Geräusche, sondern auch Qualm vom Abrieb der Reifen auf dem Asphalt. Voll Öko alles – im Rahmen einer Promo für ein Autorennen im Gelände einer Autofabrik mit Autofabrikarbeitern natürlich das wahre Glück auf Rädern. Die man im Mobilgerät auch unbedingt festhalten muss. In diesem Sinne: Freude am Fahren, oder beim Durchdrehen. Vielleicht.
Als sich der Nebel gelegt hatte, gab’s wunderbar-unregelmäßige schwarze Kreise auf grauem Grund – ich habe es in einem kreiselnden Stilleben festgehalten, das nun an meiner Wand hängt. Und mir in so mancher Situation beim Anschauen hilft, nicht abzudriften!

 

Foto: Bodo Runte

Im Hinblick auf die globale Umweltkrise vertraue ich meine Mobilität alternativen Beförderungsmitteln an. Fahrrad fahre ich gern, mit der Bahn reise ich sehr gern. Leider sind in meiner Region Bahnverbindungen zwischen kleinen Orten stillgelegt worden. Das Foto ist Teil einer umfangreichen Serie, die aufzeigt, welche Orte in der Vogelsberglandschaft ein altes Damenfahrrad erreichen kann.

 

Foto: Marlies Ebertshäuser

Als ich Mitte der 70er Jahre zum ersten Mal nach Naxos kam gab es nur eine Handvoll Autos auf der Insel. Esel gab es viele. Jetzt ist es umgekehrt. Und wohin mit dem Fahrzeug, wenn es nur noch Schrott ist?

 

Foto: Dieter Chill

Rush Hour in Santa Monica, 2015
Das Bild ist eine Momentaufnahme der ungebrochenen kalifornischen Automobilität, im besonderen aber eine Reverenz an die Fotografiegeschichte: Im Jahr 1898 ließ der Bürgermeister von Santa Monica Robert F. Jones eine monumentale Camera Obscura als Touristenattraktion errichten. Diese kann von den Besuchern selbst bedient und so die Umgebung in einem ungewöhnlichen Bildausschnitt erfasst werden. Mittels Schwenktechnik sind Kamerablicke vom Pazifik bis in die Stadtlandschaft möglich. Das Foto zeigt die runde Projektionsfläche, auf der der nachmittägliche Straßenverkehr der Ocean Ave zu sehen ist – ebenso flüchtig wie seine Abbildung im Inneren der Camera Obscura.

 

Foto: Dieter van Riel

Der Trabi – die Rennpappe. Ob es das Glück auf Rädern war? Nach oftmals bis zu 15 Jahren Wartezeit wahrscheinlich schon. Für diesen Tabi-Fahrer könnte es sogar das Glück auf Erden gewesen sein, den genau hier an dieser Stelle waren wenige Wochen vorher "die Schotten noch dicht", sprich, hier an der Bernauer Straße bestimmte die Mauer des Arbeiter und Bauernstaates den Alltag Berlins, trennte über 28 Jahre eine ganze Stadt und ihre Menschen. Wo jetzt die Currywust Bude steht, verlief der Todesstreifen...

 

Foto: Anna Thiele

Segways – Diese Innovation werde Autos so überflüssig machen, wie diese einst die Pferdekutschen, so Erfinder Dean Kamen. Es kam anders: Vom Zukunftsgefährt zum Nischen-Vehikel, dessen Produktion dieses Jahr eingestellt wurde. Ich habe Segway-Fahrer immer mit besonderer Lust ins fotografische Visier genommen. Die Fortbewegung bei gleichzeitig körperlich maximaler Unbeweglichkeit verlieh dem Ganzen immer eine leicht absurde Note.

 

Foto: Dirk Alexander Schermer

Gibt es eine Ästhetik bei der Lagerung von Schrott? Dieses Foto zeigt die übersichtliche Stapelung von Autowracks in einem Berliner Industriegebiet. Ordnung und Unordnung treffen aufeinander. Die Aneinanderreihung wirkt wie das in die Vertikale verlagerte Spiegelbild der tagtäglichen Staus auf unseren Straßen. Der Mensch ist nicht im Bild und doch ist seine Anwesenheit spürbar.

 

Foto: M&J Grade

Da steht er, der Fetisch, es, das goldene Kalb der Sehnsucht, bewundert, begehrt, neidisch betrachtet, dahin gestellt, um Männer zu Träumen anzuregen, die sich Leben nie erfüllen lassen. Das Foto entstand in der Dubai Mall, und welches Auto wäre wohl mehr geeignet als Symbol aller unerreichbaren Wünsche als ein goldener Porsche?

 

Foto: Hinnerk Holst

Dieser Pick-up ist mit himmlischem "Glück" beladen und muss dem Fahrer schwer helfen, dass seine irdische Existenz nicht unter die Räder kommt.

 

Foto: Tamara Wahby

Vom Glück auf Rädern: Gekauft, benutzt, geparkt, vergessen, entsorgt  (300 Stück mindesten dreimal im Jahr, Bahnhof in Göttingen).

 

Foto: Jutta Becks

Eben noch fahren die Tagesgäste über den Dorumer Deich, sie wollen sich in den herannahenden Sturm stellen. Acht Windstärken sind angesagt. Schilder, Absperrungen und Wegweiser regeln den Verkehr auf dem Parkplatz hinter dem Schwimmbad, ordnen und verschaffen so vermeintliche Sicherheit. Und dann rollen die ersten Wellen über den Strand und beanspruchen das abgezirkelte Terrain für sich.

Das siebte Thema lautet: STILL LEBEN
Mit Still − Leben folgen wir dem aktuellen, Corona-geprägten Zustand des Stillstandes, der häuslichen Isolation, des Sich-Besinnens auf einfache Sujets des Alltags. Es geht also um Konstellationen von Objekten, zuhause oder draußen. Aber auch um eine Reflexion der Stille, um häusliche Besinnlichkeit, den Rückzug in die Privatheit und die Begegnung mit alltäglichen Dingen, die unter anderen Umständen womöglich nicht beachtet werden. Wie lebe ich, was umgibt mich, was fällt mir auf, was ich vor Corona nicht gesehen, nicht beachtet habe? Kurzum, es geht uns um intelligente, subjektive Reflexionen der eigenen vier Wände sowie der Welt „da draußen“, deren Wahrnehmung sich durch die Pandemie auch stark verändert hat. Auf interessante Bildbeiträge und Statements sind wir wieder sehr gespannt!

Wie bei den früheren Runden: bitte nur ein Bild (300 dpi, ca 14 cm breit) und Text per E-Mail an redaktion@photonews.de senden.

Einsendeschluss (für das Heft 2/2021) ist der 18. Dezember 2020.

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Kategorie: Nachschlag

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