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Photonews-Forum: „Start“

Februar 28, 2020 by

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Aus dem PHOTONEWS-Archiv III

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Photonews-Forum: „Start“

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Photonews-Forum "Start"

Wenn man in den Wald ruft...
...und wir haben in PHOTONEWS 2-2020 in den Wald gerufen und baten unsere Leser um die Teilnahme an einem kommunikativen Experiment. Das Motto lautete „Start“ und wir erhofften uns kreative Einsendungen, die alle möglichen Variationen des Themas auf intelligente Art visualisieren.
Experiment auch deshalb, weil wir zwar in den vergangenen 31 Jahren zahlreiche Fotografinnen und Fotografen und ihre Arbeitsweisen kennengelernt haben, doch darüber, wie Photonews-Leser die Welt und das Leben reflektieren, wissen wir eigentlich wenig. Und so ist die Idee entstanden, einen derartigen visuellen Dialog zu starten:

Foto: Stefan Krebs

Anbei mein Photo zum Thema 'Start', das ich am Eingang einer Bäckerei in Stuttgart-Zuffenhausen entdeckte, zu Weihnachten auf Karten gedruckt für meine Weihnachtspost, aber auch als Geburtstagskarte zum Start in ein neues Lebensjahr bisher verwendet habe. Ich freue mich jedes Mal wieder, dass die Bäckerei mir dieses Motiv 'geschenkt' hat.

 

Foto: Werner Mansholt

Es war der Start in den Schnee in Darmstadt kurz vor Weihnachten 2018, der erste und einzige Tag Schneefall. Ich war beauftragt mit  Straßenfotografie rund um die Säule mit dem Ludwigs-Monument in der Mitte der Stadt, des „Langen Lui“ wie es im Volksmund heißt. Daraus wurde dann das Buch „Der Lui“  zum 175. Jubiläum, in dem über 30 meiner Bilder ein Kapitel bilden.
Als ich an diesem damaligen Sonntagmorgen auf dem Platz war, fand ich kaum Leute und wollte beinahe wieder gehen, als der junge Mann auf die Säule zu rannte und plötzlich sein T-Shirt auszog und so dort für einen kurzen Moment stand, wohin ich mich noch rechtzeitig anschleichen konnte.

 

Foto: Teresa Thomaschütz

Ich bin dabei, das Thema Wahrnehmung und fotografischer Blick für mich aufzuarbeiten. Dafür gehe ich bis zu dem Punkt zurück, an dem ich erste Versuche anstellte, meine Umgebung festzuhalten. Mein ganz persönlicher Start der Fotografie, sozusagen.
Die eigene Wahrnehmung verändert sich im Laufe der Jahre. Sie wird geschult, man lernt zu differenzieren und hin und wieder kommt es zu einer Verstellung des Blicks. Das alles ist für mich eng mit einem allumfassenden Lebensgefühl verbunden, es beschränkt sich keineswegs nur auf das Sehen oder die Fotografie.
Um das zu werden, was ich bin, suche ich dort, wo eine gewisse Naivität und Unvoreingenommenheit herrscht, nämlich in Fotos, die ich um die 2000er Jahre als Kind gemacht habe und verbinde dies mit aktuellen Arbeiten. Stelle gegnüber, versuche, durch Bildkombinationen, die unterschiedlichen "Lebensgefühlen" entspringen ein Neues zu schöpfen.

 

Foto: Jörg Weber, 08.01.2020/13:30

Eine Anregung 2020 für Bilder in Schwarzweiss.

 

Andrea Regensburger

Dieses Foto habe ich am Neujahrsmorgen in der Hafencity Hamburg aufgenommen. Vielleicht war dies ja der Start in eine große Liebe, vielleicht aber auch nur eine Silvesterlaune.

 

Foto: Dieter Chill

Das Foto, aufgenommen am 5.1.2020 in Potsdam, paraphrasiert das Thema Nr. 1 unserer Zeit. Der Titel bezieht sich auf die Lebensperspektive der jüngsten Mitglieder unserer Gesellschaft. Wenn das (etwas fragwürdige) Generationen-Alphabet X,Y, Z +folgende demnächst aufgebraucht ist, sollten wir das nicht als Vorzeichen deuten und schon gar nicht resignieren. Denn es geht darum, alles für die zu tun, die den Zustand der Welt nicht zu verantworten haben. Diese 20er Jahre werden entscheidend dafür sein, wie alles weitergeht. Die Welt mit Bildern verbessern zu wollen, ist ganz sicher vermessen, aber sie ins Bild zu setzen, kann vielleicht dazu beitragen, auf das Bewahrenswerte aufmerksam zu machen.

 

Foto: Harald Steffen

Im Sommer 2017 reifte bei mir der Entschluss aus dem Hobby Fotografie „mehr“ zu machen als ein Steckenpferd, als vielleicht bloße Knipserei. Angefangen hat alles „eigentlich“ in der Jugend, nach einer abgebrochenen Ausbildung zum Fotograf. Mit einer CANON AE1, dann A1, einigen Nachfolgemodellen und einer der ersten Digitalen. Irgendwie lief es dann allerdings in die Elektrotechnik und zur Betriebswirtschaft.
Dann der Schwenk zur EOS 6D im Sommer 2017 – mit der auch diese Aufnahme entstand. Anfangs vorsichtig, bemerkte ich schnell, dass mir Peoplefotografie, speziell Portrait und Akt mehr liegt, mir und offenbar auch den Models mehr Spaß bereitet. Don, ein Student der UNI Tübingen stellte sich als Model zur Verfügung, zu Anfang etwas unwissend, was eigentlich geschehen sollte. Das war der absolut erste, mit dem Aktaufnahmen gelangen, die Emotionen und die Aussage der Shots konnte er perfekt umsetzen, er sagte einmal „Wenn ich etwas mache, mache ich es so gut wie ich es kann, oder gar nicht.“
Die Aufnahme hier mochte er nicht so, er fand sie etwas „fad“ – für mich ist es aber die erste, die ich in DINA 2 drucken ließ, an die Wand hing und die mich dazu brachte – nachzudenken. Was habe ich erreicht, was will ich eigentlich, was ist eigentlich das, was ich wirklich machen will wofür sich Leidenschaft und Entbehrungen und und… lohnen – es war der Startpunkt meiner Fotografie. Obwohl es in manchen Belangen sicherlich nicht die perfekte Aufnahme ist.
Nun einige Zeit später, viele Erfahrungen reicher, anderen Kameramodellen, viel mehr Technik, kleine Homepage, kleinem Studio im Haus und aktuell einer EOS 5DSR freue ich mich auf ein Shooting immer noch so aufgeregt wie am ersten Tag. Irgendjemand hat das mal als Obsession bezeichnet…

 

Foto: Ute Behrend

Man kann auch mit dem Ende anfangen. Aufstehen und weitermachen! Oder einfach noch mal von vorne anfangen. Vielleicht klappt es ja beim nächsten Mal. – Viele Grüße aus Texas!

 

Fotos: Jochen Krautz

Then sustained by what we have inherited from the past and what we witness, we will have the courage to resist and continue resisting in as yet unimaginable circumstances. (John Berger)

 

Foto: Evelin Juen

Jedes Jahr gibt es bei uns Holundersaft aus dem eigenen Garten, Dazu setze ich die Dolden in Wasser und Zucker an und lasse das gefüllte Glas in der Sonne stehen. Dieses Photo zeigt den ´Start´, den Beginn der Transformation.

 

Foto: Hendrik Faure

Das Schaf ist am ersten Lebenstag verstorben, der Kopf für die Kunst, der Rest für die Hunde. (Kupfertiefdruck- Heliogravure, Bildformat 12x15 cm, Auflage 12)

 

Foto: Harald Kneissl

Ein Start ins Leben - Lernen und Lautsein. FFF- Demo in Augsburg.

 

Foto: Jim Zimmermann

Immer wenn mir die Digitalknipsen auf den Wecker gehen, greife ich zu dieser schönen Bakelit-Kamera von Herrn Pouva. Es ist das erste Modell, hergestellt 1952 in Freisal.

 

Foto: Inge Widauer

START: Ein ÖAMTC-Rettungshubschrauber über dem Krankenhaus (Chirurgie West Salzburg) startet  – die Dramatik seines Einsatzes steht noch bevor – oder ist es am Ende schon die Landung? Aber, der nächste START kommt bestimmt!

 

Foto: Walter Neiger

Back to the roots
Plastik ist in aller Munde, nichtsdestotrotz möchte ich vermehrt im digitalen Zeitalter mit einer Plastikkamera den Raum und die Zeit einfangen, dabei bewusst Bilder sehen und gestalten und durch die Langsamkeit, Film selber entwickeln, Bilder vergrössern, neue Werte entdecken.

 

Foto: Claudia Hofmair

"Lass Vergangenheit Vergangenheit sein, jetzt ist die Zeit für einen Neubeginn“ steht auf dem Glückskekszettel auf der Stirn. Analoges Bild

 

Foto: Ernst Winkler

Der Abflug. Entstanden bei einer Flaute auf dem Bodensee.
„START" und Absturz ins erfrischende Wasser.

 

 

Foto: Ulrich Timmermann

Das Bild hat den Titel "fear 2020" und ist ein smartphone-snap. Eigentlich eine für mich unübliche Art der Fotografie, aber hier war es ein schneller Reflex auf die extreme Kurvenlage der startenden Maschine, die mich spontan beunruhigt hat. Jeder weiß warum, seit 2001.
Und da tritt der Gedanke um Auflösung, Kantenschärfe und Kontrast in den Hintergrund.
Aber beim Start in die neuen 20er Jahre  sind Furcht und Angst immer mit dabei.

 

Foto: Gerhard Bolm

Start in die Heißzeit – schon im Juni des sehr heißen Sommers 2018 watet eine Mutter mit zwei Kindern durch die Lahn. Tag für Tag gehe ich (Rentner, 73) mit einer analogen Kamera durch Marburg. Erst lange nachher habe ich den erstaunlichen Anblick der drei durch den Fluss Gehenden mit der uns drohenden Heißzeit verbunden: Vielleicht haben sie Kühlung gesucht?

 

Foto: Bodo Runte

„Dich will ich loben: Häßliches, / du hast so
was Verläßliches. / Das Schöne schwindet,
scheidet, flieht - / fast tut es weh, wenn man
es sieht. / Wer Schönes anschaut, spürt die
Zeit, / und Zeit meint stets: Bald ist`s soweit. /
Das Schöne gibt uns Grund zur Trauer. /
Das Häßliche erfreut durch Dauer.“
(Robert Gernhardt)

 

Foto: Matthias Weber

Fridays for Future ist eine der wichtigsten  sozialen Bewegungen der letzten Jahre. Im vergangenen Jahr kam sie richtig in Schwung und findet nun auch Unterstützung  von Wissenschaftlern und anderen gesellschaftlichen Gruppen.
Dieser Schüler zeigt mir sein selbst kreiertes Plakat auf einer Demonstration im April 2019 in Berlin.Das sollte uns alle interessieren!

 

Die Einreichungen ­haben uns ermutigt, die Aktion fortzuführen, um so PHOTONEWS-Fans die Möglichkeit zu bieten, sich selbst einzubringen. Es geht nicht um Wettbewerb. Vielmehr versuchen wir auf diese Weise die Kreativität und intellektuelle Auseinandersetzung mit dem Medium zu ­fördern und Beispiele der einzelnen ­Gedankenwege zu präsentieren. Wir hoffen, dass damit für alle eine interessante Ideensammlung entsteht.
Immer dann, wenn eine neue Ausgabe von Photonews erscheint, schließen wir das eine Thema ab und bieten einen neuen Begriff als Anregung.

Das zweite Thema lautet: PAARE
Wir sehen darin die Möglichkeit, wieder einen breiten Bogen zu schlagen. Nicht nur Menschen bilden Paare. Es geht z.B. auch um besonders gelungene und inhaltlich korrespondierende Bildpaare. Kurz um Bilder, in denen Beziehungen visueller oder inhaltlicher Natur erkenn­bar sind. Und wichtig: jede Bildeinsendung sollte wieder mit einem kurzen Statement, einem Text ergänzt werden.
Denis Brudna + Anna Gripp

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Kategorie: Nachschlag

Aus dem PHOTONEWS-Archiv II

Dezember 25, 2019 by

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Interview mit Anne-Marie Beckmann, Geschäftsführerin und Kuratorin der Deutsche Börse Photography Foundation

Die Art Collection Deutsche Börse feierte 2019 ihr 20-jähriges Jubiläum. Wir haben Anne-Marie Beckmann, Geschäftsführerin und Kuratorin der Deutsche Börse Photography Foundation, zum Interview getroffen. Den Beitrag aus der PHOTONEWS Mai 2019 gibt es hier als PDF.

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Kategorie: Nachschlag

Aus dem PHOTONEWS-Archiv: Interview Vonovia-Award

Juli 19, 2018 by

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Aus dem PHOTONEWS-Archiv: Interview Vonovia-Award

Im Frühsommer 2018 wurde der Fotowettbewerb der Vonovia SE zum zweiten Mal ausgeschrieben. Der Preis ist mit insgesamt 42.000 Euro dotiert. Fragen an Klaus Freiberg, Mitglied des Vorstands von Vonovia (COO).

PHOTONEWS: Mit „Zuhause“ hat die Vonovia als großes Wohnungsunternehmen bei der ersten Ausschreibung ein Thema gewählt, das direkt zum Unternehmen passt. Bleibt es bei dieser Ausrichtung?

Klaus Freiberg/VONOVIA: Wir haben intensiv über das Thema diskutiert. Nähe war der Dreh- und Angelpunkt unserer Überlegungen. Wir wollten nah an die Menschen, nah an ihre Lebenswirklichkeit, aber auch nah an das, worum es bei Vo­novia geht.
Die Einreichungen für den ersten Vonovia Award für Fotografie haben uns schlichtweg umgehauen. Viele der Foto-Serien hätten ebenso eine Auszeichnung verdient wie die, die wir dann schließlich prämiert haben. Der Tag der Fotografierten, ihr Alltag, ihr Leben ist atemberaubend schön, atemstockend traurig. Das zeigt sich in den Momenten, die die Kamera eingefangen hat – ungeschminkt, echt, ohne Schnörkel oder überflüssige Details. Der Betrachter kann in die Bilder eintauchen, völlig darin aufgehen. Das Foto als Medium verschwindet völlig, ich bin z.B. plötzlich im Kanalsystem von Bukarest, stehe im Wohnzimmer einer russischen Großfamilie und teile ihr Leben, erlebe die Protagonisten und ihre Beziehungen untereinander hautnah, sehe und fühle die Distanz, die Komik, die Liebe, die Verzweiflung.

Als wir uns dann in diesem Jahr wieder zusammengesetzt haben, waren wir uns schnell einig: Die Geschichten sind noch nicht zu Ende erzählt, wir wollen noch mehr wissen, tiefer eintauchen. Deswegen werden wir auch in diesem Jahr wieder mit dem Thema Zuhause an den Start gehen. Im letzten Jahr waren sehr viele Serien aus dem Ausland dabei. Wir haben uns schon gefragt, ob das Zuhause in Deutschland irgendwie heikler oder schwieriger ist, weil es näher an uns selbst ist. Vielleicht müssen wir uns in Deutschland auch stärker mit uns selbst auseinandersetzen und vielleicht sollten wir weniger Angst vor dieser Auseinandersetzung haben.

Inwieweit kann es gelingen, den Wettbewerb auch bei Ihren Kunden zu vermitteln? Finden beispielsweise Ausstellungen im Umfeld von Mietshäusern statt?

Ab Mitte Mai ist die Ausstellung mit den Arbeiten der Preisträger und der Shortlist-Nominierten des ersten Vonovia Awards für Fotografie im Technischen Rathaus in Bochum zu sehen. Oberbürgermeister Thomas Eiskirch wird sie eröffnen. Er ist ein wichtiger Kommunikator in der Stadt, das hilft natürlich, mehr Menschen anzusprechen. Wir würden uns sehr freuen, wenn auch unsere Mieter sich die Bilder hier anschauen würden. Wir denken ständig über neue Ausstellungsorte nach, deutschlandweit – wo Vo­novia vertreten ist. Aber wir wollen die Fotos nicht einfach nur irgendwo hinstellen, sie brauchen einen Rahmen. Und wir wollen Anlässe für Begegnungen und einen Dialog schaffen. Wir wollen den Betrachter überraschen. Um unsere Mitarbeiter zu inspirieren, haben wir die Fotos zuerst bei uns in der Unternehmenszentrale ausgestellt. Ich glaube, die Überraschung dort ist uns gelungen. Die Immobilienbranche ist ja oft eher konservativ, da ist unser Ansatz sehr ungewöhnlich, wild – das ist eigentlich das Wort, das mir hier einfällt.

In Fotografenkreisen gab es auch kritische Stimmen zu hören. Die Geschäftspolitik von Vonovia sei umstritten und der Wettbewerb ein Mittel, das Image aufzupolieren. Was sagen Sie zu den Vorwürfen?

Kritik an dem, was ein Unternehmen tut, ist nicht ungewöhnlich. Das überrascht mich nicht, das habe ich fast erwartet. Ich sage aber auch: Ich erwarte konkrete Kritik, keine pauschalen Vorwürfe. Kritik ermöglicht uns Reflektion: über das, was wir tun, über die Art und Weise, wie wir es tun, nachzudenken. Nur so haben wir die Chance, besser zu werden. Aber so ernst wir Kritik nehmen – sie sollte uns niemals lähmen – im Gegenteil, sie sollte uns aufrütteln. Das geschieht auch durch den Fotowettbewerb. Er bietet uns darüber hinaus eine Möglichkeit einen Dialog zu eröffnen – mit der Öffentlichkeit, mit Künstlern, gerne auch mit unseren Mietern. Ich sehe darin überhaupt keinen Widerspruch.
Unser kulturelles Engagement ist authentisch und mutig, alles andere wäre Schönwetter-PR. Der Foto Award steht auch für den internen Kulturwandel, den unser Unternehmen gerade vollzieht: Weg vom Verwalter hin zum Dienstleister, hin zum Innovator in der Wohnungswirtschaft. Das geht nicht von heute auf morgen, aber es geht. Davon bin ich überzeugt.

Bei der ersten Ausschreibung wurden Preise für bereits fertige Serien verliehen. Könnten Sie sich vorstellen, das Programm mit einem Stipendium, einem Auftrag an Fotografen zu erweitern?

Geben Sie uns ein bisschen Zeit! So, wie der Award jetzt konzipiert ist, haben wir ihn erst einmal durchgeführt. Wir haben aber für die Zukunft folgende Entscheidung getroffen: Wir wollen noch mehr Freiraum für die Fotografen, noch weniger Vonovia. Und wenn wir im nächsten Jahr das Gefühl haben, wir wollen etwas Neues ausprobieren, dann werden wir frei in alle Richtungen denken. In welcher Form das dann realisiert wird, kann ich heute noch nicht sagen. Wichtig ist uns vor allem, dass wir thematisch das hohe Niveau halten, auf dem wir eingestiegen sind.

Alle Informationen: award.vonovia.de

Erschienen in PHOTONEWS Mai 2018.

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Film zu Paris Photo 2017

Dezember 4, 2017 by

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Film zu Paris Photo 2017

Ergänzend zum Beitrag in der aktuellen PHOTONEWS Ausgabe Dezember 2017 – Januar 2018 hier weitere Einblicke von der Messe Paris Photo (8.-12.11.2017).

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Debatte: Die Gewalt der Bilder – Die Geilheit der Bilder

Oktober 2, 2017 by

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Debatte: Die Gewalt der Bilder – Die Geilheit der Bilder

In der PHOTONEWS Ausgabe September 2017 schrieb Andreas Herzau über die Rolle der Fotografie und der Fotografen beim G20-Gipfel  in Hamburg – aus der Perspektive eines Beteiligten, er war im Auftrag des Magazins STERN unterwegs. Sein Beitrag hat H. Dieter Zinn zu einer Antwort provoziert, die wir in der PHOTONEWS Ausgabe Oktober 2017 veröffentlichen. Wie angekündigt führen wir die Debatte gerne an dieser Stelle fort und freuen uns über Kommentare (über die Kommentarfunktion am Ende oder per E-Mail an redaktion@photonews.de).  Hier die Texte zum Nachlesen:

Andreas Herzau: Die Gewalt der Bilder

Fotografie beim G20-Gipfel in Hamburg

Eine schöne kleine Situation während des G20-Gipfels im Juli 2017 in Hamburg St. Pauli: Ein gelber Sack mit Recyclingmüll brennt mitten auf der Fahrbahn einer Seitenstraße. Dahinter kniet ein Fotograf und versucht aus der Perspektive des Asphalts dieses armselige Häufchen brennenden Mülls ins rechte Licht zu rücken: als d i e Eruption von Gewalt und Randale, denn soeben hatte der Hamburger Einsatzleiter eine Demonstration am Hamburger Fischmarkt mit 20.000 Menschen auf Grund von Differenzen zum Verschleierungsverbot gewaltsam aufgelöst.

Der Fotograf tat, was man von ihm scheinbar erwartete. Die polizeilichen Verlautbarungen und die Äußerungen der Veranstalter der Proteste samt der medialen Aufbereitung hatten im Vorfeld des G20-Gipfels auf allen Seiten eine klare Erwartungshaltung produziert: es wird krachen, es muss krachen...

Der Fotograf konnte ja nicht wissen, dass dieses Bild schon 24 Stunden später Makulatur sein würde, wenn das eigentliche, fotogene Schauspiel im Hamburger Schanzenviertel stattgefunden hatte: lodernde Barrikaden zur blauen Stunde, vermummte Gestalten mit nackten muskulösen Oberkörpern, johlendes Partyvolk, Plünderungen, Wasserwerfer-Einsätze, GSG 9 – Straßenschlachten. Das volle Programm – medial und vor allem fotografisch ein Traum. Die Light-Version von Gaza-Streifen und Venezuela direkt vor der Haustür, nur einen Steinwurf entfernt von den Redaktionen in Hamburg.

Damit die Erwartungen aller nicht enttäuscht wurden, gaben die vielen Beteiligten des G20-Gipfels ihr Bestes: PolitikerInnen, polizeiliche Einsatzleiter, PolizistInnen aller Einheiten, DemonstrantInnen allen Coleurs, ZuschauerInnen, JournalistInnen und natürlich Fotografen und Fotografinnen. Den letzteren fiel eine besondere Rolle zu: sie machten das Ganze zeitweise live miterlebbar und nacherlebbar – zumindest visuell – und somit haben diese Akteure wesentlich Bedeutung und Interpretation der gewaltsamen Proteste gegen den G 20-Gipfel mitbestimmt. Fotografen und Kameraleute haben mit ihren Bildern mehr oder weniger die Deutungshoheit solcher Ereignisse übernommen, da es in den schnellen Zeiten nicht mehr so sehr um Inhalte, Einordnungen und Zusammenhänge geht, sondern um das schnelle Vergnügen der Bilder, das Gefühl, dabei gewesen zu sein, obwohl man zu Hause vor dem Fernseher gesessen hat. Als Zuschauer erliegt man der Suggestion, Zeuge zu sein und Bescheid zu wissen, obwohl man ahnungslos ist. Augenfutter statt Hirnschmalz.

Die Inszenierung der G20-Spiele in Hamburg begann aber lange bevor die Staatsmänner und Staatsfrauen in Hamburg landeten. Die Polizei in Hamburg war schon im Vorfeld sehr darauf bedacht, ihrerseits die Deutungshoheit der Bilder zu behalten. So wurden die Journalisten immer wieder zu Terminen eingeladen, wie zum Beispiel der „Vorstellung der Gefangenensammelstelle Neuland“, die im Süden von Hamburg extra für den G 20-Gipfel gebaut wurde und bis zu 450 Plätze für Gefangene bietet.

In kleinen Gruppen wurde man 45 Minuten lang durch die nahe­zu men­schen­leere ehemalige Groß­markthalle geführt, die nun die Heimstatt für verhaftete Demonstranten wer­den sollte. Wie bei einer Ausstellung wurden alle Stationen, die ein Gefangener zu durch­schreiten hat, stolz vorgeführt: Erfassung, Erkennungsdienstliche Behandlung, Zellentrakt, Befragungsräume etc. etc... Fotografisch gab es nix zu sehen, außer leeren Containern, Hallen und provisorischen Büros. Dazwischen einzelne Polizisten, die klarmachten, dass man hier nicht in einem geplanten Logistikcenter ist, sondern in einem provisorischen Knast.

Interessant dabei war die Tatsache, dass die polizeilichen Statisten noch wenige Tage zuvor bei einem anderen polizeilich angebotenen Fototermin als Informationsbeamte fungierten, die die Bevölkerung über den bevorstehenden G20-Gipfel informierten. Nun, mit neuer Funktion, wurden sie dann auch von den Fotografen gebeten, doch bitte mal eine (leere) Zelle abzuschließen, sich wahlweise hinzusetzen, streng zu gucken oder mal hier und dort längs zu laufen. Public Relation vom Feinsten. Am darauf folgenden Tag waren diese polizeilich arrangierten Bilder Aufmacher der lokalen Medien mit dem Tenor: „Hier will die Polizei G20-Randalierer unterbringen“ (Mopo).

Solcherlei Bilder, samt der immer wieder gestreuten polizeilichen und geheimdienstlichen Informationen und Schätzungen, wie viele Demonstranten (mit und ohne Gewalt im Gepäck) man in Hamburg erwarten würde, ließen nur noch einen Schluss zu: es muss krachen, es wird krachen...

Wie die Staatsmacht hatten aber auch die Gegner des G20-Gipfels ihren Grundkurs in Public Relation absolviert. Sie luden zu dem einen oder anderen Happening ein, welches lediglich für die Medien und im Speziellen für FotografInnen stattfand, da man begriffen hatte, dass in diesem ganzen G20-Gipfel-Hype im Vorfeld von den Redaktionen Bilder gebraucht werden. Es gab z.B. im Zuge des Hickhacks um die Camps der Demonstranten eine für die Presse inszenierte Aktion, bei der symbolhaft in der Nähe des Veranstaltungsortes des Gipfels kleinere, mit Anti G20-Parolen bemalte Zelte aufgestellt wurden. Ab diesem Zeitpunkt gab es endlich die nötige Bebilderung zu den Texten, die den Zank um die Camps im Stadtgebiet thematisierten. Als dann die Drohung im Raum stand, man würde zur Not im gesamten Stadtgebiet kleinere Zeltlager errichten, wenn die Stadt die eigentlichen Camps nicht genehmigt, konnte man sich bildhaft vorstellen, wie das aussehen würde. Im Vergleich zur Mobilisierungskampagne der militanten GegnerInnen des Gipfels fast schon rührend. Diese hatten auch mit Bildern im Internet für den Protest gegen das Treffen in Hamburg geworben: mit martialischen, feurigen und gewaltverherrlichenden Videos, die eine übertriebene Vorwegnahme der späteren Krawalle in Hamburg waren. Auch hier wurde einem nur der eine Schluss nahegelegt: es wird krachen, es muss krachen.

Als es dann krachte, kam die eigentliche Stunde der Bilder. Zur bes­ten Sunset-Zeit (flaches Abendlicht, blauer Himmel, hi und da ein paar Wölkchen) wurden brennende Barrikaden errichtet, wurde das klei­ne Schwar­ze aus dem Rucksack geholt und die Heerscharen von Fotografierenden hatten Mühe, nicht ständig andere Kollegen mit im Bild zu haben, wäh­rend der eine oder andere Strahl der Wasserwerfer im abendlichen Gegenlicht glitzerte. Keine Seite der Beteiligten hatte zu viel versprochen und das fast unwirkliche Schauspiel nahm seinen Lauf, während, angestachelt durch diese simple Ästhetik des Widerstands, Zuschauer (meist erlebnisorientierte Jugendliche aus den bürgerlichen Vororten Hamburgs) vor brennenden Barrikaden und herannahenden Polizeieinheiten posierten, um smartphoneflinke Bilder und Filmchen in die sozialen Netzwerke zu pumpen. Eines dieser Bilder – aufgenommen von einem Dach – zeigt in einer Aufsicht den Hauptort der Krawalle. Scheinbar brennt der gesamte Straßenzug, darüber steht der gerade aufgegangene Mond mit leichtem Hof. Fast schon romantisch, aber eben nur so romantisch, wie Apokalypsen manchmal aussehen. Als Bildunterschrift der Hilferuf: „Bitte hört endlich auf! Hilfe, wo ist die Polizei? Der schwarze Block nimmt gerade den ganzen Schulterblatt auseinander #nichtmeinhamburg #nofilter!!!“.

Ein anderer Bewohner des Viertels korrigierte diesen Eindruck wenige Stunden später: „Das Bild zeigt nicht die wahre Lage. Es gab drei Feuer auf den Straßen, beim vierten bin ich nicht sicher. Diese Feuer loderten nur auf der Straße und bestanden aus Holz und Schrott, eher Barrikaden, mit Reifen und Plastik, um maximalen Rauch zu erzeugen. Größe etwa von Osterfeuern, ich konnte auf 1-2 m herangehen. Es brannte kein Haus. Soweit ich weiß auch in dieser Straße kein Auto. Ich will diese Leute nicht verteidigen, aber ich kann nur davor warnen, solche Bilder ernst zu nehmen.“ (Diesen Eindruck kann der Autor bestätigen.)

Es ist dieser Klassiker, der immer wieder zu dieser Art inszenierter und verfälschender Bildern führt: je dramatischer das Bild, desto heroi­scher der Urheber der Bilder, auch wenn es manchmal eben nur ein einsamer brennender gelber Sack auf der Straße ist.

So viel zur ästhetischen Gewalt der Bilder, die so manchen Zuschauer angezogen haben wird, sich an dem Spektakel zu beteiligen. Eine andere Form der Gewalt, der Staatsgewalt, werden sich manche jetzt im Nachhinein stellen müssen, denn die Polizei hat mit ihrem Fahndungsaufruf nach Fotos und Videos aus der Krawallnacht schon mehr als 1.000 Einsendungen erhalten. Die wahren Krawalleros sind sich dieser Gefahr bewusst und als in dieser Nacht dann auch noch der REWE geplündert wurde, erklärte einer der Autonomen den Gaffern und Fotografen auf recht höfliche Weise, dass nun hier und gerade jetzt Fotos nicht gerne gesehen werden. Wer allerdings diese Freundlichkeit nicht zu schätzen wusste, wurde vor die Wahl gestellt: entweder Chip oder gleich die ganze Kamera.

So sind solche Ereignisse zunehmend ein Kampf um Bilder, die im heutigen Mediengeschehen entscheidend für die Deutungshoheit sind. Darüber müssen sich alle Beteiligten bewusst sein, insbesondere die Urheber, die Fotografen und Fotografinnen.♦

H. Dieter Zinn: Die Geilheit der Bilder

Antwort auf den Text „Die Gewalt der Bilder“ in PHOTONEWS 9/2017

„Das Fotografieren hat eine chronisch voyeuristische Beziehung zur Welt geschaffen, die die Bedeutung aller Ereignisse einebnet.“ Diese Erkenntnis von Susan Sontag ist nicht neu, doch heute aktueller denn je. Welche Ausmaße die „voyeuristische Beziehung zur Welt“ mittlerweile angenommen hat, ist täglich in sozialen Medien, Meldungen über Schaulustige und Fotografenpulks zu sehen. Ja, mehr noch. Menschen gehen selber in Bilder hinein, um ihre Selbstinszenierung bildwirksam von BildermacherInnen in die Öffentlichkeit zu bringen. Dieses Phänomen findet sich in rechten und linken Gruppen, bei Demonstrationen, Events und genauso bei Attacken der Terroristen. Es geht ihnen allen darum, ihre Botschaft medial zu verbreiten. So bleibt es nicht aus, dass FotografInnen Kumpane der Akteure werden und umgekehrt. Ob inszenierte Selbstdarstellungen für das „schöne Demofoto“ vom G20-Gipfel in Hamburg (siehe Titelfoto der Photonews 9/17) oder Aktionen krimineller Gewalttäter. Das ist natürlich ein sehr unangenehmer Gedanke für BildermacherInnen: Als mediale Repräsentanten latent krimineller, gewalttätiger oder narzisstischer Menschen zu fungieren. Und noch einen Widerspruch müssen FotografInnen aushalten. Allein durch ihre Anwesenheit werden die Akteure häufig und offensichtlich animiert, mehr „Aktion“ zu machen als ohne mediale Beobachtung. So entsteht eine echte Zwickmühle für FotografenInnen.

Aus diesem Grund war ich sehr verwundert über die Simplifikation dieses so hochbrisanten Themas (Wie gehen BildermacherInnen mit dieser Zwickmühle um?) durch den Autor Andreas Herzau. Der Titel seines Artikels „Die Gewalt der Bilder” steht in krassem Widerspruch zu dem nachfolgenden Text, der mir das Gefühl vermittelte, hier schreibt einer über einen interessanten Betriebsausflug. Wer komplizierte Vorgänge vereinfacht, wirkt vordergründig souverän. Allerdings steht er gleichzeitig in dem Verdacht der Ignoranz. Bekanntlich meint ignorieren ja, ungelöste Probleme als gelöst zu betrachten. Die Verdrängung der Probleme beginnt schon dort, wo FotografenInnen und Bildermacher­Innen vorgeben, nichts mit den gewalttätigen Strategien von Demons­tranten oder Terroristen zu tun zu haben. Frei nach dem Motto: wir berichten ja nur. Diese Art der Verdrängung entspricht in meiner Welt einer blauäugigen oder fatalistischen oder zynischen Haltung. Spätestens seit 9/11 ist das mediale Kalkül politisch motivierter Krimineller bekannt. Daran hat sich bis heute nichts geändert. Von den Enthauptungsvideos der IS-Mörder bis hin zu den Terroranschlägen der letzten Tage. Auch diese Strategien sind nicht neu. Man denke nur an die Bildikone des Fotografen Eddie Adams. Sein Foto des 1968 öffentlich ermordeten Vietcongs ging um die Welt. Bis heute bleibt die Frage offen, ob der Vietcong wegen der anwesenden Fotografen getötet wurde.

Natürlich gibt es auch Demotouris­t­en, wie auf dem G20-Gipfel in Hamburg, die den Hype der Gewaltbilder suchen, um sie gleich in die Welt zu senden. Diese Bildtouristen finden sich bei Demos, Unfällen, Katastrophen. Sie sammeln diese Bilder als Trophäen ihrer vermeintlichen Erlebnisse. Es geht ihnen um „die Geilheit der Bilder“ und auch um ihre „unentwegte Unterhaltung“.  Bildprofis wiederum suchen ihre Bilder zwischen klischeebehafteten Symbolen und „geilen“ Inszenierungen. Es geht ihnen schließlich um Fotografien, um Bilder der Gewalt, die sich in Magazinen und Bildagenturen vermarkten lassen.

„Es muss krachen, es wird krachen...“ So klingt es in dem Text von Andreas Herzau, in der Photonews 9/17 über die Demonstrationen zum G20-Gipfel in Hamburg. Das war doch „irgendwie“ mal wieder ein nettes Event. So klingt es zwischen Zeilen hervor. Hier ein brennendes Mülltütchen. Dort ein paar „Krawalleros“. Das Wort „Krawalleros“ erinnerte mich an das Wort „Cabelleros“, (spanische Edelmänner). Immerhin sind sie gut erzogen, die „Krawalleros“. Weil sie „auf höfliche Weise“ darauf hinweisen, dass sie bei ihren Aktionen nicht fotografiert werden wollen. Verständlich, denn welcher Kriminelle lässt sich schon gerne bei seinen Taten ablichten. Obwohl hier ein Widerspruch deutlich wird. Schließlich werden in der Bewertung krimineller Taten die politischen Motivationen der Täter zu gerne mildernd berücksichtigt. Ein beliebtes Statement ist hier oft zu hören: Was ist schon ein geplünderter Supermarkt, ein brennendes Auto gegen die Gewalt des „Schweinesystems“? Wer hinter dieser Haltung Zynismus vermutet kann die Aktionen der „Krawalleros“ auch beim Namen nennen: Gewalt gegen Menschen. Diebstahl. Nötigung. Beleidigung. Vandalismus. Plünderung. Brandstiftung. Bilder dieser Übergriffe können dazu beitragen, der kleinen Gruppe der Gewalttäter mehr Gewicht zuzuweisen, als ihnen gebührt. Dagegen zeigen relevante Fotografien, ohne den Populismus der Deutungshoheit, die Auswirkung der gewalttätigen Geschehnisse. Ähnlich den wichtigen Bildern vom Krieg. Es geht um die Auswirkung der Gewalt auf die Opfer. Ob Goyas „Los Desastres de la Guerra“, der Völkermord in Ruanda oder Folter in Abu-Ghuraib, um nur drei Beispiele zu nennen. BildermacherInnen, die sich auf die Opfer fokussieren, gehört mein Respekt. Skeptisch werde ich, wenn Fotografen sich faszinieren lassen von der Geilheit der Täterbilder. Die sie zwischen Feuer, Rauch, Wasser, Pose, Gewalt, Kitsch und martialischen Massenphänomenen bildwirksam in Szene setzen.

„So sind solche Ereignisse zunehmend ein Kampf um Bilder (...)“, schreibt der Autor. Er spricht in diesem Zusammenhang auch von „Deutungshoheiten“, die entscheidend sein sollen. Doch was genau soll gedeutet werden? Geht es um die Erkenntnis, dass Fotografien niemals zu 100 Prozent das repräsentieren, was sie abbilden, sondern dass sie zuerst erzeugen und begründen, was sie zeigen? Oder wird hier der Stellenwert fotografischer Bilder in der medialen Nutzung vom Autor maßlos überschätzt? Offensichtlich ist: Deutungshoheiten werden von großen Leitmedien (wie Stern oder Tagesschau) geprägt. Hier, in den Sendern und Redaktionen, wird entschieden, was und wie veröffentlicht wird. Und wenn von Deutungshoheit gesprochen wird, sollte auch der Missbrauch von Deutungshoheit nicht unerwähnt bleiben. Doch die gute Nachricht für BildermacherInnen ist: Mediale Deutungshoheiten haben sich verändert. Nicht mehr allein die Medienmacher, sondern auch die Medienkonsumenten verfügen über sie. So auch beim G20 in Hamburg. Fotos, die von den Leitmedien nicht mehr kontrolliert werden können, gehen über Soziale Medien in die Welt. Gegen diese „demokratisierte“ Bilderwelt, die aus der Mitte der Aktionen entsteht, werden die Bilder der Auftragsfotografen in Zukunft mehr und mehr zu einem visuellen Beiwerk. Für sie bleiben die Bilder, die ihrem Gestaltungsbewusstsein und ihrer Haltung entsprechen. Wobei die Suche nach „Eyecatchern“ und Symbolbildern, die den ästhetischen bzw. politischen Vorstellungen der Auftraggeber entsprechen, den fotografischen Blick bildentscheidend beeinflussen werden.

Am Schluss des Artikels spricht der Autor die Empfehlung aus, dass sich doch bitte alle Bildermacher darüber bewusst sein sollen, was sie fotografieren. Das klingt für mich nach naivem Wunschdenken. Doch die Zeiten des Vietnamkriegs, als Susan Sontag über die große „moralische Autorität“ der Bilder sprach, sind lange vorbei. ♦

Kommentare:

Lieber  HD Zinn,
Vielen Dank für ihren Beitrag, Sie sprechen mir komplett aus dem Mund. Ich
war auch irritiert und genervt von dem widersprüchlichen und
oberflächlichen Beitrag in PN 9/17.
Sie haben ja alles gesagt, auch das Eingehen auf
Möchtegern-Wortschöpfungen wie Krawalleros. Dass der beauftragte Fotograf
seinen eigenen Auftragsdruck nicht einbringt, ist ein weiteres Ärgernis.
Naja. Schwamm drüber.
Martin Langer

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